Ratgeber

Ab wann ist man berufsunfähig?

Ab wann ist man berufsunfähig?
Schwelle
unter 50 % Berufsausübung
Dauer
mind. 6 Monate
Maßstab
zuletzt ausgeübter Beruf

Das Wichtigste in Kürze

  • Berufsunfähig bist du, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich mindestens sechs Monate zu unter 50 Prozent ausüben kannst.
  • Maßstab ist dein konkreter Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung aussah, nicht irgendein anderer Job.
  • Ob und ab wann Berufsunfähigkeit vorliegt, entscheidet der Versicherer anhand ärztlicher Unterlagen und deiner Angaben zum Beruf im Einzelfall.
  • Arbeitsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit sind etwas anderes und setzen an anderer Stelle an.

„Ab wann ist man eigentlich berufsunfähig?“ Die Antwort steckt in zwei Zahlen: 50 Prozent und sechs Monate. Doch die Praxis ist komplexer, denn ob Berufsunfähigkeit vorliegt, entscheidet nicht du und nicht der Arzt allein, sondern am Ende der Versicherer nach den Regeln deines Vertrags. Wir erklären die Definition, wer entscheidet, welche Erkrankungen am häufigsten dahinterstecken und wie sich die Berufsunfähigkeit von Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit unterscheidet.

Die Definition: wann bist du berufsunfähig?

Nach den üblichen Bedingungen der Berufsunfähigkeitsversicherung bist du berufsunfähig, wenn du infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls deinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich mindestens sechs Monate zu unter 50 Prozent ausüben kannst. Beide Bedingungen müssen erfüllt sein: die Schwere, also unter 50 Prozent, und die Dauer, also mindestens sechs Monate. Besteht die gesundheitliche Beeinträchtigung bereits sechs Monate ununterbrochen, gilt die Berufsunfähigkeit rückwirkend ab ihrem Beginn.

Maßstab ist dein zuletzt ausgeübter Beruf

Bewertet wird deine konkrete Tätigkeit, so wie sie zuletzt in gesunden Tagen aussah, mit allen Aufgaben, Belastungen und Arbeitszeiten. Deshalb kann dieselbe Krankheit bei zwei Menschen zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen. Wichtig ist die abstrakte Verweisung: Gute Verträge verzichten darauf, du musst dich also nicht auf einen anderen zumutbaren Beruf verweisen lassen. Fehlt dieser Verzicht in den Bedingungen, kann der Versicherer die Leistung mit dem Hinweis auf eine andere Tätigkeit verweigern.

Wer entscheidet, ab wann du berufsunfähig bist?

Ob und ab wann Berufsunfähigkeit vorliegt, entscheidet in der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung der Versicherer. Grundlage sind zwei Dinge: ärztliche Befunde und deine Angaben zum Beruf. Ein Arzt dokumentiert die gesundheitlichen Einschränkungen, du beschreibst deine Tätigkeit möglichst genau. Aus dem Abgleich beider ergibt sich, ob du deinen Beruf noch zu mindestens 50 Prozent ausüben kannst. In der Regel prüft der Versicherer den Einzelfall genau, teils schaltet er einen Gutachter ein. Als Versicherte solltest du deine Aufgaben deshalb konkret und nachvollziehbar schildern.

Häufigste Auslöser: oft psychische Erkrankungen

Zu den häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit zählen psychische Erkrankungen wie Depression oder Burnout mit rund 36 Prozent, gefolgt von Erkrankungen des Bewegungsapparates und Krebs. Auffällig: Viele dieser Auslöser treffen jeden Beruf, nicht nur körperliche Tätigkeiten. Genau deshalb betrifft die Frage „ab wann berufsunfähig“ praktisch jeden, der von seiner Arbeitskraft lebt. Mehr dazu unter anerkannte Krankheiten.

Abgrenzung: arbeitsunfähig, berufsunfähig, erwerbsunfähig

Diese drei Begriffe werden oft verwechselt:

  • Arbeitsunfähig bist du, wenn du vorübergehend krankgeschrieben bist.
  • Berufsunfähig bist du, wenn du deinen Beruf dauerhaft zu unter 50 Prozent ausüben kannst.
  • Erwerbsunfähig im Sinne der gesetzlichen Rente bist du erst, wenn du kaum noch irgendeine Tätigkeit am allgemeinen Arbeitsmarkt schaffst, gemessen in Stunden pro Tag.

Die private BU setzt also viel früher an als die gesetzliche Absicherung, mehr dazu unter Erwerbsunfähigkeit.

Ab wann gibt es Geld? Leistung und Anspruch

Ist die Berufsunfähigkeit anerkannt, hast du Anspruch auf die vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente, in vielen Verträgen rückwirkend ab dem Eintritt der Berufsunfähigkeit. Die Leistung fließt monatlich, bis zum vereinbarten Endalter oder bis die Berufsunfähigkeit wegfällt. Lehnt der Versicherer ab oder zieht sich die Prüfung, ist das nicht das Ende: Viele Ablehnungen halten einer Prüfung nicht stand. Was dann gilt, liest du unter BU zahlt nicht.

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Häufige Fragen

Ab wie viel Prozent ist man berufsunfähig?
Wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf zu unter 50 Prozent ausüben kannst und das voraussichtlich mindestens sechs Monate andauert.
Wer entscheidet, ab wann ich berufsunfähig bin?
Der Versicherer, auf Basis ärztlicher Befunde und deiner Angaben zum Beruf. Ein Arzt stellt die gesundheitlichen Einschränkungen fest, entschieden wird im Einzelfall nach den Bedingungen deines Vertrags.
Ist berufsunfähig dasselbe wie erwerbsunfähig?
Nein. Berufsunfähigkeit bezieht sich auf deinen konkreten Beruf, Erwerbsunfähigkeit auf den gesamten Arbeitsmarkt und setzt viel später ein.

Quelle: BaFin, Deutsche Rentenversicherung

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