Berufsunfähigkeitsversicherung

Berufsunfähigkeits­versicherung für Selbstständige Absicherung ohne gesetzliches Netz

Berufsunfähigkeitsversicherung Selbstständige
Vom Staat
oft gar kein Schutz
Kern
faire Umorganisationsklausel
Ersetzt
fehlende Erwerbsminderungsrente

Das Wichtigste in Kürze

  • Selbstständige und Freiberufler zahlen oft nicht in die gesetzliche Rentenversicherung und haben damit nicht einmal Anspruch auf die niedrige Erwerbsminderungsrente.
  • Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist für sie deshalb die wichtigste Absicherung, sie ersetzt das fehlende soziale Netz.
  • Entscheidend ist eine faire Umorganisationsklausel damit du nicht gezwungen wirst, deinen Betrieb unwirtschaftlich umzubauen.
  • Auch das Sparen ist keine Alternative: Ein Vermögen, das ein ganzes Resteinkommen ersetzt, kann kaum jemand rechtzeitig aufbauen.

Selbstständige sichern mit ihrer Arbeitskraft nicht nur das eigene Einkommen, sondern oft den ganzen Betrieb und ihre Familie ab. Fällt sie aus, gibt es selten ein Auffangnetz. Hier erfährst du, warum die Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige unverzichtbar ist, worauf es bei der Vertragsgestaltung ankommt und wie du sie vom Krankentagegeld abgrenzt.

Infografik: worauf Selbstständige bei der Berufsunfähigkeitsversicherung achten sollten, Umorganisationsklausel, Höhe, Nachversicherung
Worauf Selbstständige bei der BU achten sollten.

Berufsunfähigkeit trifft jeden Selbstständigen

Das Risiko betrifft nicht nur körperliche Berufe. Psychische Erkrankungen sind die häufigste Ursache einer Berufsunfähigkeit, und gerade Selbstständige stehen unter Dauerdruck. Dazu kommen Rückenleiden und schwere Krankheiten. Fällt die Arbeitskraft aus, brechen Umsatz und Privateinkommen gleichzeitig weg.

Warum der Staat für Selbstständige nicht einspringt

Viele Selbstständige sind nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Damit haben sie keinen Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente, nicht einmal auf die niedrige. Selbst wer Beiträge gezahlt hat, bekommt nur bei voller Erwerbsunfähigkeit und nur einen Bruchteil des bisherigen Einkommens. Die private BU ersetzt dieses fehlende soziale Netz vollständig.

Ist Sparen eine Alternative?

Nein. Um eine BU-Rente von zum Beispiel 2.000 Euro über zwanzig oder dreißig Jahre zu ersetzen, müsstest du ein sehr großes Vermögen aufbauen, und zwar, bevor der Ernstfall eintritt. Tritt die Berufsunfähigkeit früh ein, ist dafür schlicht keine Zeit. Die BU leistet dagegen ab dem ersten Tag der Berufsunfähigkeit in voller Höhe.

Worauf Selbstständige beim Vertrag achten müssen

Faire Umorganisationsklausel

Sie regelt, ob du auf einen Umbau deines Betriebs verwiesen werden darfst. Achte darauf, dass keine unzumutbare oder unwirtschaftliche Umorganisation verlangt wird.

Verzicht auf abstrakte Verweisung

Damit du nicht auf einen fremden Beruf verwiesen wirst, den du gar nicht ausübst.

Ausreichende, dynamische Rente

Plane rund 60 bis 80 Prozent des Nettos und vereinbare eine Dynamik gegen Inflation.

Nachversicherung & Stundung

Rente später ohne Gesundheitsprüfung erhöhen, Beiträge bei Auftragsflauten vorübergehend stunden können.

Abgrenzung zum Krankentagegeld

Das Krankentagegeld ersetzt nur den Verdienstausfall während einer vorübergehenden Krankschreibung. Wird die Einschränkung dauerhaft, hilft es nicht mehr, dann brauchst du die BU. Beide ergänzen sich: Krankentagegeld für die akute Phase, BU für die dauerhafte Berufsunfähigkeit. Mehr unter Arbeitsunfähigkeit und Betriebsunfähigkeit.

Als Selbstständiger richtig absichern

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Krankentagegeld und BU: das richtige Zusammenspiel

Als Selbstständiger brauchst du zwei Bausteine, die sich ergänzen. Das Krankentagegeld überbrückt die Phase der vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit ab einem frei wählbaren Tag, oft schon ab dem achten oder fünfzehnten. Die Berufsunfähigkeitsversicherung greift, wenn die Einschränkung dauerhaft wird. Ohne beides klafft im Ernstfall schnell eine gefährliche Einkommenslücke, denn eine Lohnfortzahlung wie bei Angestellten gibt es nicht.

0 €
Lohnfortzahlung für Selbstständige
oft keine
gesetzliche Erwerbsminderungsrente
ab 50 %
zahlt die private BU

Warum Sparen die BU nicht ersetzt

Um eine BU-Rente von etwa 2.000 Euro über zwanzig oder dreißig Jahre aus Erspartem zu ersetzen, bräuchtest du ein Vermögen im hohen sechsstelligen Bereich, aufgebaut, bevor der Ernstfall eintritt. Tritt die Berufsunfähigkeit früh ein, fehlt dafür schlicht die Zeit. Die BU leistet dagegen ab dem ersten Tag in voller Höhe.

Selbstständige versichern mit ihrer Arbeitskraft den ganzen Betrieb. Fällt sie aus, steht meist nicht nur das eigene Einkommen auf dem Spiel.

Dennis Becker, BU-Experte

Vertragstipps für Selbstständige

  • Faire Umorganisationsklausel: keine unzumutbare oder unwirtschaftliche Umorganisation des Betriebs.
  • Beitragsstundung: bei Auftragsflauten die Beiträge vorübergehend aussetzen können, ohne den Schutz zu verlieren.
  • Nachversicherung: die Rente mit wachsendem Geschäft ohne neue Gesundheitsprüfung erhöhen.

Experten-Tipp

Achte als Selbstständiger besonders auf die Umorganisationsklausel. Sie ist der häufigste Grund, warum Unternehmer im Leistungsfall doch kein Geld sehen.

Wie hoch sollte die Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige sein?

Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige bemisst sich die Höhe meist am durchschnittlichen Gewinn der letzten drei Jahre. Daraus leitet der Versicherer die maximale monatliche BU-Rente ab. Plane die Leistung so, dass sie deine privaten Fixkosten und idealerweise auch laufende Betriebskosten deckt, damit deine finanzielle Absicherung im Ernstfall steht und du deinen Lebensstandard hältst. Als Richtwert gelten rund 60 bis 80 Prozent deines Nettoeinkommens, bei schwankenden Einkünften lieber am oberen Rand. Eine zu niedrig vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente rächt sich, wenn die Berufsunfähigkeit über viele Jahre andauert. Über die Nachversicherungsgarantie kannst du die Leistungen später ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen, sobald dein Geschäft wächst.

Versorgungswerk: Schutz für Freiberufler wie Ärzte und Anwälte

Manche Freiberufler wie Ärzte, Anwälte oder Architekten sind über ein Versorgungswerk abgesichert. Das Versorgungswerk zahlt aber in der Regel erst bei voller Berufsunfähigkeit im Sinne der Satzung, oft also erst, wenn du deinen Beruf praktisch gar nicht mehr ausüben kannst. Die Leistungen aus dem Versorgungswerk fallen zudem häufig niedriger aus als das gewohnte Einkommen. Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige schließt diese Lücke, weil sie schon ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit im zuletzt ausgeübten Beruf zahlt. Wer keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente und nur einen schwachen Schutz aus dem Versorgungswerk hat, ist auf die private BU-Versicherung besonders angewiesen.

Wann ist ein Selbstständiger berufsunfähig?

Ein Selbstständiger ist berufsunfähig, wenn er seine zuletzt ausgeübte Tätigkeit aufgrund von Krankheit oder Unfall voraussichtlich für mindestens sechs Monaten zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kann. Anders als bei der staatlichen Erwerbsminderungsrente kommt es nicht darauf an, ob du theoretisch in irgendeinem Beruf noch arbeiten könntest, sondern allein auf deine konkrete Tätigkeit. Im Falle einer Berufsunfähigkeit prüft der Versicherer deine tatsächliche Arbeit, deinen Betrieb und die Aufgabenverteilung. Genau hier wird die Umorganisationsklausel wichtig: Sie entscheidet, ob du als selbstständiger Berufsunfähiger auf eine Umstrukturierung deines Betriebs verwiesen werden darfst oder ob die Berufsunfähigkeitsversicherung die vereinbarte monatliche Rente zahlt.

Beruf-Risiko-Check: Was kostet die BU für deinen Beruf?

Gib deinen Beruf ein und sieh sofort, in welche Risikogruppe er fällt und mit welcher Beitragsspanne du ungefähr rechnen kannst.

Tipp: Tippe die ersten Buchstaben, dann erscheinen Vorschläge.

Selbstständige und die gesetzliche Rente: meist kein Auffangnetz

Genau hier wird das Risiko Berufsunfähigkeit für dich so groß: Die wenigsten Selbstständigen zahlen überhaupt in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Wer aber nicht in die Deutsche Rentenversicherung einzahlt, hat auch keinen Anspruch auf die staatliche Erwerbsminderungsrente. Und selbst wer freiwillig oder pflichtversichert einzahlt, bekommt nur dann etwas, wenn die Wartezeit von mindestens 60 Monaten erfüllt ist und das Resteinkommen unter strengen Grenzen liegt.

Pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung sind nur einzelne Gruppen: zulassungspflichtige Handwerker in den ersten Jahren, Künstler und Publizisten über die Künstlersozialkasse, selbstständige Lehrer und Erzieher ohne eigene Angestellte sowie Hebammen und bestimmte Pflegekräfte. Freiberufler wie Ärzte, Anwälte oder Architekten sichern sich über ein Versorgungswerk ab, das jedoch oft erst bei voller Erwerbsunfähigkeit zahlt. Für alle anderen gilt: Außer der eigenen Vorsorge gibt es nichts, das deine Tätigkeit auffängt, wenn du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kannst.

So kalkulierst du die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente richtig

Als Faustregel sollte die vereinbarte BU-Rente rund 70 bis 80 Prozent deines Nettoeinkommens abdecken, damit du deinen gewohnten Lebensstandard halten kannst. Selbstständige sollten dabei nicht nur an die privaten Ausgaben denken: Auch laufende Betriebskosten, deine Kranken- und Altersvorsorge und eventuelle Kredite laufen weiter. Eine zu knapp kalkulierte Rente von wenigen hundert Euro monatlich reicht dafür selten. Rechne lieber großzügig und plane einen Inflationsschutz (Dynamik) mit ein.

Experten-Tipp von Dennis Becker: Vereinbare von Anfang an eine Nachversicherungsgarantie. So kannst du die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente später ohne erneute Gesundheitsprüfung anheben, etwa wenn dein Gewinn steigt oder du eine Familie gründest. Für Selbstständige ist die Berufsunfähigkeitsversicherung damit eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt, oft sogar besonders wichtig im Vergleich zu jeder Sachversicherung.

Mehr zu Wartezeiten und Voraussetzungen findest du bei der Deutschen Rentenversicherung (Stand 2026).

Häufige Fragen

Brauchen Selbstständige eine BU?
Ja, dringender als Angestellte. Sie haben meist keinen Anspruch auf staatliche Leistungen, im Ernstfall fällt das gesamte Einkommen weg.
Was ist die Umorganisationsklausel?
Sie regelt, ob der Versicherer dich auf einen Umbau deines Betriebs verweisen darf. Eine faire Klausel verlangt nichts Unzumutbares oder Unwirtschaftliches.
Reicht ein Krankentagegeld?
Nein. Es deckt nur die vorübergehende Krankschreibung. Für dauerhafte Berufsunfähigkeit brauchst du die BU.
Wie hoch sollte die BU-Rente für Selbstständige sein?
Als Selbstständiger orientierst du die monatliche Berufsunfähigkeitsrente am durchschnittlichen Gewinn der letzten drei Jahre, meist 60 bis 80 Prozent. So bleibt deine finanzielle Absicherung erhalten und du hältst im Falle einer Berufsunfähigkeit deinen Lebensstandard.
Haben Selbstständige Anspruch auf Erwerbsminderungsrente?
Meist nicht. Wer nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, hat keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Selbst mit Beiträgen zahlt der Staat nur bei voller Erwerbsunfähigkeit. Deshalb ist die Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige so wichtig.

Stand & Hinweise

Stand: Juni 2026. Ohne Gewähr. Erstellt und geprüft von Dennis Becker, BU-Experte.

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