Arbeitsunf√§higkeit ‚Äď erst Lohnfortzahlung, dann Krankengeld

  • Arbeitgeber ist bei Arbeitsunf√§higkeit zur Lohnfortzahlung verpflichtet

  • Krankenkasse zahlt im Anschluss Krankengeld

  • genesungswidriges Verhalten w√§hrend der Krankschreibung vermeiden

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Das Wichtigste in K√ľrze

  • Der Arbeitgeber zahlt im Normalfall w√§hrend der Krankheit den Lohn f√ľr sechs Wochen weiter.
  • Krankengeldanspruch besteht danach f√ľr 72 Wochen, sodass insgesamt 78 Wochen abgesichert sind.
  • Privat Krankenversicherte und freiwillig gesetzlich versicherte Selbstst√§ndige m√ľssen sich um eine entsprechende Versicherung selbst k√ľmmern.
  • Der Arbeitnehmer muss alles daf√ľr tun, um m√∂glichst schnell wieder gesund zu werden.
  • Der Medizinische Dienst der Krankenkassen darf Pr√ľfungen vornehmen.
  • Bei dauerhafter Arbeitsunf√§higkeit kommt eine Erwerbsminderungsrente in Betracht.

Inhalt

Was bedeutet Arbeitsunfähigkeit nach dem Gesetz?

Obwohl Arbeitsunf√§higkeit im Arbeitsrecht und Sozialversicherungsrecht oft erw√§hnt ist, fehlt in den Gesetzen eine Definition. In der Rechtsprechung gibt es aber eine recht klare Vorstellung. Danach ist ein Arbeitnehmer arbeitsunf√§hig, wenn er wegen Krankheit seine zuletzt ausge√ľbten Arbeitsaufgaben nicht mehr ausf√ľhren kann. Auch wenn sich die Krankheit durch die Arbeit verschlimmern w√ľrde, gilt er als arbeitsunf√§hig.

Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber

Das Risiko der Arbeitsunf√§higkeit tr√§gt zun√§chst der Arbeitgeber. Die Bestimmungen dazu stehen in dem seit 1994 geltenden Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG). F√ľr genau sechs Wochen (42 Tage) muss er trotz Krankheit den bisherigen Lohn weiterzahlen. Ob das Ende der Entgeltfortzahlung auf einen Werktag oder ein Wochenende f√§llt, ist egal. Ab dem 43. Tag besteht nur noch Anspruch auf Krankengeld, das geringer ist als der bisherige Lohn. Die Krankentagegeldversicherung ist also gewisserma√üen eine Arbeitsunf√§higkeitsversicherung. Mehr dazu unten in den FAQ.

Tarifvertrag geht vor

Zu vielen der folgenden Bestimmungen aus dem EntgFG muss man anmerken: Es ist erlaubt, in Tarifverträgen abweichende Regelungen zu treffen. Wenn auf Ihren Arbeitsvertrag also ein Tarifvertrag Anwendung findet, schauen Sie dort nach.

Schwangerschaft, Sterilisation und Organspende

Schwangerschaft, Sterilisation, Organ- oder R√ľckenmarkspende sind keine Krankheiten. Dennoch wird das EntgFG auch in diesen F√§llen angewendet. Gleiches gilt f√ľr einen nicht rechtswidrigen Schwangerschaftsabbruch.

Höhe der Lohnfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit

Lohnfortzahlung klingt einfach, kann aber recht kompliziert sein, wenn das Einkommen schwankt. Dazu gibt es im EntgFG scheinbar klare Regeln (¬ß 4 EntgFG). Von der Rechtsprechung werden sie aber zum Teil anders ausgelegt, als der Wortlaut es vermuten l√§sst. So bleiben √úberstunden nach dem Gesetz au√üen vor bei der Berechnung. Das betrifft sowohl die Grundverg√ľtung als auch m√∂gliche Zuschl√§ge. Wenn ein Arbeitnehmer aber regelm√§√üig √úberstunden gemacht hat, muss auch diese Mehrarbeit in die Lohnfortzahlung einflie√üen ‚Äď so der Bundesgerichtshof. Kosten, die w√§hrend der Krankheit nicht anfallen, werden nicht erstattet. Das betrifft vor allem Fahrtkosten. Und wenn die Bezahlung von der Arbeitsleistung abh√§ngt, etwa bei Akkordarbeit, wird ein Durchschnitt gebildet.

Ein verbreitetes Missverst√§ndnis √ľber die AU

Hartn√§ckig h√§lt sich das Ger√ľcht, Arbeitnehmer m√ľssten am dritten Tag ihrer Krankheit eine Arbeitsunf√§higkeitsbescheinigung (AU) vom Arzt vorlegen. Schauen wir, was das EntgFG dazu sagt:

‚ÄěDauert die Arbeitsunf√§higkeit l√§nger als drei Kalendertage, hat der Arbeitnehmer eine √§rztliche Bescheinigung √ľber das Bestehen der Arbeitsunf√§higkeit sowie deren voraussichtliche Dauer sp√§testens an dem darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen.‚Äú (¬ß 5 EntgFG)

Der darauffolgende Tag ist aber nicht der dritte, sondern der vierte Tag. Theoretisch k√∂nnen Sie bei einer Arbeitswoche von Montag bis Freitag sogar mehr als eine Woche zu Hause bleiben, ohne dass eine AU erforderlich w√§re: Mittwoch bis Freitag sind Sie krank, Samstag und Sonntag wieder gesund, dann von Montag bis Mittwoch wieder krank. Solche AU-Mathematik sollte man sich aber besser verkneifen. Das Vertrauen des Arbeitgebers in Sie w√§re zu Recht ersch√ľttert. Und der Arbeitgeber darf eine AU bereits am ersten Tag verlangen ‚Äď auch das steht im Gesetz.

Wartezeit vier Wochen

Was nur wenige Arbeitnehmer wissen: Bei einer neu begonnenen Stelle beginnt das Recht auf Entgeltfortzahlung erst nach einer Wartezeit von vier Wochen. Erkranken Sie also beispielsweise in der zweiten Woche, beginnt die Entgeltfortzahlung erst ab Woche f√ľnf. Sie stehen aber in der Wartezeit nicht ohne Einkommen da. Anstelle des Lohns zahlt die Krankenkasse Krankengeld. Das ist allerdings geringer als das normale Einkommen.

Lohnfortzahlung nur bei unverschuldeter Erkrankung

In den oben zitierten Paragrafen aus dem EntgFG ist gesagt, dass es eine Lohnzahlung des Arbeitgebers nur bei unverschuldeter Erkrankung gibt. Was bedeutet das genau? Ein ungeschickter Sturz mit dem Fahrrad, ein selbst verschuldeter Autounfall, und schon entfällt die Lohnfortzahlung? So eng wird diese Bestimmung nicht ausgelegt. Selbstverschulden wird von der Rechtsprechung bei Sportunfällen regelmäßig verneint. Ausgenommen sind nur extrem gefährliche Sportarten wie Bungeejumping und Kickboxen. Drachenfliegen und Rafting im Wildwasser gelten nicht als gefährlich. Kein Verschulden wird bei Alkoholmissbrauch oder einer anderen Suchterkrankung angenommen. Selbst der Versuch einer Selbsttötung gilt als unverschuldet. Kritischer werden dagegen folgende Sachverhalte gesehen:

  • Verletzung von Unfallverh√ľtungsvorschriften im Betrieb
  • Missachtung √§rztlicher Anordnungen
  • Verkehrsunf√§lle, die vors√§tzlich oder grob fahrl√§ssig herbeigef√ľhrt wurden ‚Äď dazu geh√∂rt auch die Fahrt unter Alkoholeinfluss
  • Verletzungen durch eine Schl√§gerei, die der Arbeitnehmer angezettelt oder provoziert hat

Aber auch hier gilt wie in der Wartezeit: Im Zweifel bleibt der Anspruch auf Krankengeld erhalten.

Mehrfach krank aus derselben Ursache

Sie waren eine Zeit lang gesund, haben aber jetzt einen R√ľckfall? Das EntgFG regelt, ob die Lohnfortzahlung f√ľr sechs Wochen weiterl√§uft oder die Frist neu beginnt. Der Normalfall ist, dass Krankheiten aus derselben Ursache zusammengerechnet werden. Nach sechs Wochen ist dann Schluss, auch wenn Sie zwischendurch zur Arbeit gegangen sind. Es gibt aber zwei Ausnahmen (¬ß 3 EntgFG):

  1. Wenn Sie seit der letzten Krankheitsphase mindestens sechs Monate nicht wegen dieser Krankheit zu Hause bleiben mussten, starten die sechs Wochen von vorn. Beispiel: Sie waren im April und Mai wegen einer Arthrose krankgeschrieben. Im Dezember m√ľssen Sie deswegen erneut zu der Arbeit fernbleiben. Die Lohnfortzahlung beginnt wieder f√ľr sechs Wochen. Dass Sie im November mit einer Erk√§ltung arbeitsunf√§hig waren, spielt keine Rolle.
  2. Wenn seit Beginn der ersten Arbeitsunf√§higkeit ein Jahr vorbei ist, besteht auch ein neuer Lohnfortzahlungsanspruch. Beispiel: Sie waren von April bis Dezember arbeitsunf√§hig. Von Januar bis Mai des Folgejahres haben Sie gearbeitet, also nur f√ľnf Monate. Die obige Regel hilft also nicht. Trotzdem haben Sie Anspruch auf die vollen sechs Wochen Lohnfortzahlung, wenn Sie ab Juni wieder ausfallen. Seit der ersten Krankschreibung ist n√§mlich mehr als ein Jahr verstrichen.
Arbeitsunfähig Zuhause bleiben

Arbeitsunf√§hig ‚Äď muss ich zu Hause im Bett bleiben?

Wenn der Arzt Bettruhe empfohlen hat, sollten Sie sich tunlichst daran halten. Aber nicht jede Arbeitsunfähigkeit bedeutet eine Erkrankung mit Bettlägerigkeit. Ein Mitarbeiter in einem Callcenter ist bereits arbeitsunfähig, wenn er heiser ist und nur seine Stimmbänder schonen muss.

Genesungsförderliches Verhalten

Nach ärztlichem Rat im Bett zu bleiben, ist genesungsförderliches Verhalten. Sie sind dazu verpflichtet, alles Zumutbare zu tun, damit Sie schnell wieder gesund werden. Ein Spaziergang an frischer Luft kann je nach Erkrankung ebenso genesungsförderlich sein wie angemessener Sport. Über Reisen während einer Krankschreibung sollten Sie mit Arzt und Arbeitgeber sprechen. Sicher, Nordseeluft kann bei einer Atemwegserkrankung sehr guttun. Aber das ist sicher die Ausnahme. Sie sollten unbedingt den Eindruck vermeiden, auf Kosten des Arbeitgebers den Urlaub zu verlängern.

Genesungswidriges Verhalten

Umgekehrt m√ľssen Sie genesungswidriges Verhalten unterlassen. Ein privates Treffen mit Freunden ist wahrscheinlich ok, wenn Sie nicht gerade ansteckend erkrankt sind. Im Restaurant oder auf einer Party sollten Sie sich dagegen nicht sehen lassen, vor allem nicht, wenn das mit Alkoholkonsum verbunden ist. Und wenn Sie wegen einer Sehnenscheidenentz√ľndung von der Computerarbeit krankgeschrieben sind, ist auch der aktive Besuch auf dem Hunde√ľbungsplatz zumindest fragw√ľrdig.

Vorsicht mit Facebook & Co.

Das Beispiel mit dem Hundetraining ist keineswegs erfunden. Dumm, dass genau an diesem Tag das Regionalfernsehen dort einen Beitrag drehte, den abends etliche Kolleginnen und Kollegen sehen konnten ‚Äď und der Chef. Noch viel gr√∂√üer ist das Risiko, dass irgendwelche Bilder in den sozialen Netzwerken auftauchen. Erh√§rtet sich der Verdacht auf genesungswidriges Verhalten, reichen die Folgen von der Abmahnung bis hin zur fristlosen K√ľndigung.

Keine ‚ÄěGesundschreibung‚Äú

Einer nebenberuflichen T√§tigkeit d√ľrfen Sie w√§hrend der Krankschreibung in der Regel nicht nachgehen ‚Äď sie w√ľrde fast immer ein genesungswidriges Verhalten darstellen. Aber wenn Sie sich wieder fit f√ľhlen und niemanden anstecken k√∂nnen, d√ľrfen Sie an Ihren Arbeitsplatz zur√ľck. Und zwar ohne neuen Arztbesuch, denn eine ‚ÄěGesundschreibung‚Äú, also Aufhebung der AU, gibt es nicht. Das Enddatum in der AU ist nur eine Sch√§tzung, wie lange Ihre Krankheit voraussichtlich dauern wird. Wenn Sie schneller wieder auf den Beinen sind, umso besser. √Ąrger wegen der √úbernahme von Behandlungskosten durch Ihre Krankenversicherung kann es deswegen nicht geben.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen

Nach den Sozialgesetzen soll unser Gesundheitssystem ausreichende, zweckm√§√üige und wirtschaftliche Leistungen erbringen. Die Krankenkassen m√ľssen mit den Beitr√§gen sparsam umgehen. Dabei hilft der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK). Er ber√§t nicht nur in Grundsatzfragen, sondern f√ľhrt auch einzelne Begutachtungen durch. Zwar wird der MDK im Auftrag der Kranken- oder Pflegeversicherungen t√§tig, ist aber fachlich unabh√§ngig. Entscheidungen folgen allein dem √§rztlichen pflegerischen Wissen. Das ist im F√ľnften Sozialgesetzbuch ausdr√ľcklich so festgelegt (¬ß 275 SGB V).

Pr√ľfung der Arbeitsunf√§higkeit durch den MDK

Mehr als eine Million Mal pro Jahr gibt der MDK eine Stellungnahme bei Arbeitsunf√§higkeit ab. Damit ist es sein zweitgr√∂√ütes Aufgabengebiet bei den Begutachtungen nach der Pr√ľfung von Krankenhausabrechnungen. Klingt nach viel, ist aber angesichts von vierzig Millionen Arbeitsunf√§higkeitsbescheinigungen j√§hrlich nur ein Anteil von etwa drei Prozent. F√ľr die Begutachtung gibt es meist eine √§rztliche Untersuchung. Das ist aber nicht zwingend. Im Ausnahmefall kann auch die Aktenlage f√ľr die Beurteilung ausreichend sein.

Kann der MDK die Arbeitsunf√§higkeit f√ľr beendet erkl√§ren?

Eine ‚ÄěGesundschreibung‚Äú gibt es nicht, auch nicht durch den MDK. Der MDK kann aber die √§rztliche Zweitmeinung vertreten, dass keine Arbeitsunf√§higkeit gegeben sei. Das hindert Ihren Arzt nicht daran, weiterhin eine AU auszustellen. Der MDK darf ihm das nicht verbieten. Leider sind die Krankenkassen aber an die Gutachten des MDK gebunden. Das hei√üt, sie werden die Zahlung von Krankengeld einstellen. Daran √§ndert zun√§chst auch die AU nichts. Wichtig ist sie trotzdem, denn nur mit einer l√ľckenlosen Bescheinigung Ihrer Arbeitsunf√§higkeit bekommen Sie nach erfolgreichem Widerspruch trotzdem Geld.

Was tun, wenn der MDK die Arbeitsunfähigkeit nicht bestätigt?

Legen Sie Widerspruch ein. Gehen Sie gleich anschlie√üend zu einem Facharzt, lassen Sie sich erneut untersuchen. Wenn Sie wirklich krank sind, l√§sst sich das sicher auch feststellen. Arbeitsunf√§higkeit sollte man nicht vort√§uschen. Dass der MDK zum Einsatz kommt, zeigt ja bereits, dass es Zweifel an Ihrer Ehrlichkeit gibt. Sind diese berechtigt, kann eine verhaltensbedingte K√ľndigung folgen. Sind Sie der Meinung, dass Sie zu Unrecht gek√ľndigt worden sind, gehen Sie sofort zum Anwalt. Hier gibt es knappe Fristen f√ľr den Widerspruch, die Sie unbedingt einhalten m√ľssen.

Tipps f√ľr die Begutachtung der Arbeitsunf√§higkeit durch den MDK

Eine Kontrolle der Arbeitsunf√§higkeit durch den Betriebsarzt oder einen anderen vom Arbeitgeber beauftragten Arzt ist verboten. Eine Begutachtung durch den MDK ist dagegen erlaubt, auch bei privat Versicherten. Von diesem Recht machen Arbeitgeber und Krankenkassen aber nur Gebrauch, wenn es Auff√§lligkeiten wie h√§ufige kurze Krankschreibungen gibt. In 85 % der F√§lle l√§sst sich der Verdacht einer simulierten Erkrankung nicht erh√§rten. Da nur knapp 3 % der AU √ľberhaupt durch den MDK gepr√ľft werden, liegt der Anteil der negativen Entscheide unter 0,5 %. Deshalb:

  • Stehen Sie der Untersuchung unvoreingenommen gegen√ľber. Sind Sie krank, wird das auch ein neutraler √§rztlicher Gutachter erkennen.
  • Der Einsatz des MDK kann vor allem bei psychischen Erkrankungen sogar hilfreich Er empfiehlt zum richtigen Zeitpunkt wirksame Ma√ünahmen, die eine lange Arbeitsunf√§higkeit oder sogar eine dauerhafte Erwerbsunf√§higkeit verhindern helfen.
  • Achten sie darauf, dass dem MDK die Diagnosen Ihres Haus- oder Facharztes aktuell und vollst√§ndig
  • F√ľhlen Sie sich zu Unrecht verd√§chtig, bei der Krankschreibung zu schwindeln, holen Sie sich Hilfe beim Betriebsrat Personalrat. Die Kontrollen durch den MDK im Auftrag des Arbeitgebers sind mitbestimmungspflichtig.
  • Es gibt objektive Fehlbeurteilungen durch den MDK. Das ist gerichtlich mehrfach festgestellt worden. Legen Sie fristgem√§√ü Widerspruch ein, lassen Sie sich gegebenenfalls anwaltlich vertreten.

Dauerhafte Arbeitsunfähigkeit

Unter Arbeitsunf√§higkeit wird √ľblicherweise eine vor√ľbergehende gesundheitliche Einschr√§nkung verstanden. Deshalb gibt es im engeren Sinn auch keine Arbeitsunf√§higkeitsrente, sondern die Lohnfortzahlung und das Krankengeld. K√∂nnen Sie voraussichtlich dauerhaft nicht mehr arbeiten, liegen Berufsunf√§higkeit oder Erwerbsunf√§higkeit bzw. eine Erwerbsminderung vor.

Berufsunfähigkeit

Berufsunf√§higkeit ist gegeben, wenn Sie aus gesundheitlichen Gr√ľnden in Ihrem bisherigen Beruf nicht mehr arbeiten k√∂nnen. Gegebenenfalls w√§re eine andere, weniger anstrengende T√§tigkeit aber noch m√∂glich. Die Berufsunf√§higkeit ist in der Sozialversicherung praktisch nicht mehr abgesichert. Es gibt nur noch einen Bestandsschutz f√ľr √§ltere Versicherte. Hier hilft nur eine private Berufsunf√§higkeitsversicherung.

Erwerbsunfähigkeit

Erwerbsunf√§higkeit liegt vor, wenn Sie gar keinen Beruf mehr aus√ľben k√∂nnen. Eine Erwerbsminderung ist nach dem Sechsten Sozialgesetzbuch gegeben, wenn Sie nur noch weniger als sechs Stunden t√§glich arbeiten. Wenn die Voraussetzungen in der Rentenversicherung erf√ľllt sind, bekommen Sie eine halbe Erwerbsminderungsrente. Bei einer zumutbaren Arbeitsleistung unter drei Stunden wird die volle Rente gezahlt.

FAQ

Gehen Sie rechtzeitig zum Arzt. Spätestens am dritten Tag nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit (also am vierten Krankheitstag) muss dem Arbeitgeber eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorgelegt werden. Die Krankenkasse bekommt eine Kopie.

In der Regel ist w√§hrend der ersten sechs Wochen der Arbeitgeber f√ľr die Entgeltfortzahlung zust√§ndig. Ausnahmen gelten bei grob schuldhaftem Verhalten und w√§hrend einer Wartezeit von vier Wochen nach Antritt einer neuen Stelle. Die Krankenkasse zahlt √ľblicherweise im Anschluss an die Entgeltfortzahlung f√ľr 72 Wochen. Damit sind Sie f√ľr insgesamt 78 Wochen abgesichert. Privat Krankenversicherte sollten darauf achten, dass sie neben der Krankheitskostenversicherung eine Krankentagegeldversicherung abgeschlossen haben. Die H√∂he des Tagegelds sollte sich am Nettolohn orientieren. Die Leistung beginnt f√ľr Arbeitnehmer ab dem 43. Tag, also nach Ablauf der sechs Wochen. Selbstst√§ndige k√∂nnen ein Krankentagegeld zum Beispiel ab dem achten Tag versichern, wenn sie privat versichert sind. Auch wenn sie in einer gesetzlichen Krankenkasse sind, ist das Tagegeld nicht automatisch dabei. Daf√ľr zahlen Selbstst√§ndige dort einen geringeren Beitragssatz.

Das Krankengeld kommt von der Krankenkasse. Kleinstbetriebe k√∂nnen sich auch Ausgaben f√ľr die Lohnfortzahlung von der Krankenkasse erstatten lassen. Das Krankengeld ist niedriger als der Lohn. Es betr√§gt 70 % des Bruttolohns, aber h√∂chstens 90 % des Nettolohns. Der niedrigere Betrag ist ma√ügebend. Die Krankenkassen haben im Internet entsprechende Rechner, hier zum Beispiel von der Techniker Krankenkasse.

Die Krankenkasse zahlt im Anschluss an die Lohnfortzahlung des Arbeitgebers. Auch nach sechs Wochen Arbeitslosengeld I gibt es Krankengeld.

Die Krankenkasse zahlt Krankengeld f√ľr dieselbe, nicht ausgeheilte Erkrankung maximal f√ľr 78 Wochen innerhalb von drei Jahren. Mehrere Zeitr√§ume werden zusammengerechnet. Von den 78 Wochen werden Zeiten abgezogen, in denen der Anspruch ruht. Das f√ľr Arbeitnehmer insbesondere die Lohnfortzahlung von sechs Wochen. In der Praxis bleiben also meist nur 72 Wochen √ľbrig.

Kur zusammengefasst: Genesungsf√∂rderndes Verhalten ist nicht nur erlaubt, sondern sogar Pflicht. Dazu z√§hlen je nach Krankheit auch Spazierg√§nge und leichter Sport. Genesungswidriges Verhalten wie Alkoholkonsum oder anstrengende nebenberufliche Arbeit k√∂nnen arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Im schlimmsten Fall droht die fristlose K√ľndigung.

Niemand muss Urlaubstage opfern, wenn er krank ist. Bei einer Erkrankung im Urlaub gelten aber dieselben Spielregeln wie sonst auch: AU sp√§testens nach drei Tagen vorlegen, die Genesung m√∂glichst beschleunigen, genesungswidriges Verhalten vermeiden. Besonderheiten gelten bei einem Auslandsaufenthalt. Der Arbeitnehmer muss den Arbeitgeber so schnell wie m√∂glich informieren. Das passiert meist per Telefon. Arbeitsunf√§higkeitsbescheinigungen aus dem EU-Ausland haben laut Rechtsprechung einen hohen Beweiswert. Der Arbeitgeber kann sie nur erfolgreich anzweifeln, wenn er daf√ľr weitere Anhaltspunkte hat. Das k√∂nnen zum Beispiel eine abgelehnte Urlaubsverl√§ngerung oder eine Umbuchung des Fluges vor bescheinigtem Krankheitsbeginn sein.

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