Grundfähigkeitsversicherung – die moderne Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung

  • Grundfähigkeitsversicherung = nicht an einem bestimmten Beruf gekoppelt

  • Besonders geeignet für Menschen mit Vorerkrankungen oder risikoreicher Berufsarbeit

  • Rentenanpassung sollte beachtet werden

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Wir empfehlen: Die Berufsunfähigkeitsrente sollte mindestens 70 % Ihres aktuellen Nettoeinkommens betragen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Weil eine Grundfähigkeitsversicherung nicht auf einen bestimmten Beruf abstellt, ist ihr Leistungsumfang nicht direkt mit der Berufsunfähigkeitsversicherung vergleichbar. Der Versicherungsschutz der Grundfähigkeitsversicherung ist in der Praxis meist weniger umfangreich.
  • Für Menschen mit Vorerkrankungen oder schwerer körperlicher Berufsarbeit ist sie dennoch eine gute Alternative, weil sie ohne Leistungseinschränkungen erhältlich und billiger ist.
  • Die Höhe der Rente sollte dem Nettoeinkommen zuzüglich erwarteter Steuern und gegebenenfalls Krankenversicherungsbeiträgen entsprechen. Eine regelmäßige Anpassung ist empfehlenswert.

Inhalt

Wie ist der Leistungsumfang der Grundfähigkeitsversicherung im Vergleich zu anderen Produkten?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung hilft mit Rente, wenn der eigene Beruf nur noch zu weniger als der Hälfte ausgeübt werden kann. Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung stellt dagegen ganz allgemein auf die Arbeitsfähigkeit ab, genau wie die gesetzliche Rentenversicherung bei der Erwerbsminderungsrente. Das bedeutet eine erhebliche Einschränkung Der bisherige Lebensstandard ist nämlich nicht abgesichert, wenn noch ein anderer, schlechter bezahlter Job möglich ist. Die Grundfähigkeitsversicherung versucht einen Mittelweg. Sie löst sich vom Beruf und definiert den Verlust bestimmter Grundfähigkeiten als Leistungsauslöser. Sie müssen für eine Mindestzeit, meist sechs oder zwölf Monate, verlorengehen, damit eine Rentenzahlung erfolgt.

Abweichenden Definitionen je nach Anbieter und Produkt

Die versicherten Grundfähigkeiten lassen sich zu Gruppen zusammenfassen:

  • Motorische Fähigkeiten der Arme und Hände (Heben, Tragen, Greifen)
  • Motorische Fähigkeiten der Beine (Stehen, Gehen, Treppensteigen, Gleichgewicht)
  • Funktionen des Rückens (Bücken, Ziehen und Schieben, Sitzen)
  • Kommunikationsfähigkeiten (Sehen, Hören, Sprechen)
  • Psychische Fähigkeiten (geistige Leistungsfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit, psychische Gesundheit)

Diese Elemente sind bei den Versicherern nicht nur in unterschiedlichem Umfang enthalten, sondern auch noch unterschiedlich definiert und führen nicht in derselben Art und Weise zur Versicherungsleistung. So muss beispielsweise in einfachen Produkten der Gebrauch beider Hände eingeschränkt sein, umfangreichere Versicherungslösungen testen lediglich auf den Gebrauch eines Schraubenziehers. Es gibt auch Grundfähigkeitsversicherungen mit zwei Katalogen von Fähigkeiten. Aus dem ersten Katalog reicht bereits ein Verlust für den Versicherungsfall (meist Sehen, Sprechen oder der Gebrauch beider Hände). Aus dem zweiten Katalog müssen zwei oder drei Fähigkeiten verlorengehen (zum Beispiel Knien, Bücken und Sitzen). Hier ist ein genauer Produktvergleich anhand des eigenen Berufs unbedingt erforderlich. Viele Versicherer haben mehrere Varianten vom Basisprodukt bis zur optimalen Absicherung im Angebot. Suchen Sie die Lösung, wo Sie Risiken für sich selbst sehen.

Erweiterung zur Existenzschutzversicherung

Eine Existenzschutzversicherung erweitert die Grundfähigkeitsversicherung um die Elemente schwere Krankheit (Dread Disease Versicherung), die Versicherung einer Unfallrente nach Art der privaten Unfallversicherung sowie um eine Pflegerentenversicherung. Damit wird der Katalog der Auslöser einer Rentenzahlung um wichtige Komponenten erweitert.

Für wen ist eine Grundfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Wie oben beschrieben, kennt eine Grundfähigkeitsversicherung in der Praxis meist weniger Leistungsauslöser als eine klassische Berufsunfähigkeitsversicherung. Im Einzelfall mag der Verlust einer Grundfähigkeit nicht zu einer Berufsunfähigkeit führen. Ein Rollstuhlfahrer kommt in einem Büroberuf vermutlich ebenso gut zurecht wie seine gesunden Kollegen, ein Gehörloser kann zum Beispiel in Rechnungswesen und Controlling sehr gut arbeiten, wenn er nicht auf Telefonate und Teambesprechungen angewiesen ist. Dann gibt es aber zumindest hinsichtlich einer Arbeitsunfähigkeitsrente auch keinen Versicherungsbedarf. Im Zweifel ist deshalb die Berufsunfähigkeitsversicherung oder Dienstunfähigkeitsversicherung für Beamte die bessere Wahl.

Geeignet bei Menschen mit Vorerkrankungen

Allerdings haben viele Menschen ein Problem, überhaupt eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen zu können. Wird aufgrund der Antragsfragen und eventuell eingereichter Atteste eine Vorerkrankung festgestellt, versuchen die Versicherer, eine Berufsunfähigkeitsversicherung aufgrund dieser Erkrankung auszuschließen. Eine lückenhafte Versicherung ist aber nichts wert, denn es bleibt das Risiko einer unversicherten dauerhaften Arbeitsunfähigkeit. Für diesen Personenkreis kann eine Grundfähigkeitsversicherung die bessere Wahl sein.

Beitragsersparnis bei schwerer körperlicher Arbeit

Leider ist es so, dass sich die Berufstätigen, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung am dringendsten brauchen, sie sich am wenigsten leisten können. Körperliche Arbeit wird in unserer Gesellschaft durchweg schlechter bezahlt als geistige Arbeit, aber die Kosten für die Berufsunfähigkeitsversicherung sind für diese Berufsgruppen wegen des größeren Risikos deutlich höher. Die Grundfähigkeitsversicherung kommt hier billiger, deckt die entscheidenden Risiken wie Gehen, Heben oder Tragen aber genauso gut ab.

Kann man eine Grundfähigkeitsversicherung bekommen, ohne Gesundheitsfragen zu beantworten?

Ein Mindestmaß an Gesundheitsfragen wird jeder seriöse Versicherer oder Versicherungsvermittler im Antrag stellen. Das ist gut und richtig, denn eine Versicherung ohne Gesundheitsprüfung würde bevorzugt von Menschen abgeschlossen, die bereits krank sind oder zumindest für sich ein hohes Risiko sehen. Die Versicherer nennen dies eine negative Risikoselektion, auf die sie mit höheren Beiträgen reagieren müssten. Gesund Kunden würden also benachteiligt. Das gilt analog genauso für eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsfragen. Beantworten Sie die Fragen ehrlich und umfassend. Stellt sich erst im Leistungsfall heraus, dass Vorerkrankungen nicht wahrheitsgemäß angegeben wurden, wird die Versicherung die Leistung verweigern. Bei arglistiger Täuschung ist der Vertrag nichtig. Eine Police, die bei Berufsunfähigkeit zu Recht nicht zahlt, ist wertlos.

Wie schneidet die Grundfähigkeitsversicherung im Test ab?

Die Stiftung Warentest hat im Juli 2020 verschiedene Formen der Arbeitsunfähigkeitsversicherung unter die Lupe genommen. Sie kommt zum selben Ergebnis wie oben dargestellt: Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist sinnvoll, aber nicht für jeden zu einem bezahlbaren Beitrag abzuschließen. In diesen Fällen ist die Grundfähigkeitsversicherung anderen Versicherungskonzepten wie der stark eingeschränkten Erwerbsunfähigkeitsversicherung überlegen. Voraussetzung ist, dass die Grundfähigkeiten als Leistungsauslöser entsprechend der Lebenswirklichkeit im aktuellen Beruf definiert sind. Dazu gehört bei Management-Berufen auf jeden Fall die Entscheidungsfähigkeit, also eine Mitversicherung psychischer Ursachen als Grund für eine Berufsunfähigkeitsrente.

Bei welchen Anbietern ist die Grundfähigkeitsversicherung erhältlich?

Die Grundfähigkeitsversicherung deckt ein sogenanntes biometrisches Risiko ab, nämlich das der Erwerbsfähigkeit. Das ist die Domäne der Lebensversicherer, die zum Beispiel aus der Berufsunfähigkeitszusatzversicherung über entsprechende Kalkulationsgrundlagen verfügen.

Praktisch alle großen Versicherungskonzerne, aber auch kleinere Unternehmen und Niederlassungen ausländischer Versicherer, bieten mittlerweile die Grundfähigkeitsversicherung als clevere Alternative zur Erwerbsunfähigkeitsversicherung an.

Wie hoch sind die Kosten einer Grundfähigkeitsversicherung?

Die Beitragshöhe hängt von der gewählten Rente, dem Eintrittsalter des Versicherten und vom Umfang der Versicherung ab. Einfache Produkte mit 1.500 Euro Rente für einen dreißigjährigen Versicherten beginnen ab etwa 40 Euro monatlich. Eine umfassende Versicherung inklusive Absicherung bei psychischen Erkrankungen kostet bis zu 150 Euro im Monat. Die Preise steigen nicht mit dem Alter des Versicherten. Die Versicherer kalkulieren dafür entsprechende Rückstellungen.

Sind die Beiträge zur Grundfähigkeitsversicherung steuerlich absetzbar?

Grundsätzlich handelt es sich bei den Beiträgen zur Grundfähigkeitsversicherung um Vorsorgeaufwendungen, die steuerlich abzugsfähig sind. Allerdings gelten hierfür Höchstgrenzen, die bei den meisten Arbeitnehmern bereits durch die Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung ausgeschöpft sind, sodass sich unter dem Strich kein Steuervorteil ergibt. Nutzen Sie eine Software für Ihre Steuererklärung, geben Sie doch einfach einen Betrag für die Grundfähigkeitsversicherung ein und schauen Sie, ob sich an der prognostizierten Erstattung etwas ändert. Oder fragen Sie Ihren Steuerberater.

Gibt es einen Rechner für Grundfähigkeitsversicherungen?

Versicherungsvergleiche enthalten oft Angebotsrechner für die Beiträge. Allerdings sollten Sie sich nicht auf den reinen Preisvergleich verlassen. Sie sehen dem Preis nämlich nicht an, ob die zugehörige Versicherung bereits bei Verlust von einer Grundfähigkeit zahlt, wie diese definiert sind oder ob es verschiedene Kataloge gibt, aus denen möglicherweise mehrere Grundfähigkeiten verloren gehen müssen, damit ein Versicherungsfall vorliegt. Machen Sie deshalb immer einen ausführlichen Produktvergleich, lassen Sie sich beraten.

Rentenhöhe am aktuellen Einkommen ausrichten

Überlegen Sie zuvor, welche Rente Sie im Fall einer Erwerbsunfähigkeit benötigen. Planen Sie nicht mit der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente, denn deren Zahlung hängt von ganz anderen Voraussetzungen ab. Die Grundfähigkeitsrente kommt nicht zusätzlich, sondern ist oft Ihre einzige Absicherung. Gehen Sie auch nicht davon aus, dass Sie bei einer Erwerbsminderung weniger Geld brauchen. Das Gegenteil ist der Fall – kranke Menschen haben höhere Bedürfnisse, zum Beispiel an Arznei oder Physiotherapie. Und wer nicht im Arbeitsalltag ist, möchte sich vielleicht öfter mal eine kleine Freude gönnen. Denken Sie daran, dass die Rentenzahlung aus einer Grundfähigkeitsversicherung zumindest teilweise steuerpflichtig ist, wenn zusammen mit anderen Einkünften der Grundfreibetrag überschritten wird. Außerdem können Krankenversicherungsbeiträge anfallen. Das hängt bei gesetzlich Versicherten vom Ergebnis einer Statusprüfung durch die Krankenkasse ab. Privat Versicherte müssen – bis auf den Anteil für die Krankentagegeldversicherung – in jedem Fall weiterzahlen.

Anpassung ohne Gesundheitsprüfung

Eine Erwerbsunfähigkeitsrente, die heute reicht, kann morgen schon nicht mehr auskömmlich sein. Selbst bei niedrigen Inflationsraten ist eine jährliche Steigerung sinnvoll, um das eigene berufliche Fortkommen und Gehaltserhöhungen abzubilden. Mit einer Anpassungsklausel im Vertrag funktioniert das automatisch ohne neue Gesundheitsfragen. Passt die Steigerung nicht ins Budget, können Sie der Erhöhung widersprechen.

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