Erwerbsminderungsrente

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Das Wichtigste in K√ľrze

  • Wer dauerhaft zu krank ist, um Arbeitseinkommen zu erzielen und damit seinen Lebensunterhalt zu sichern, kann von der gesetzlichen Rentenversicherung eine Erwerbsminderungsrente beziehen.
  • Voraussetzung ist, dass der Antragsteller seit mindestens f√ľnf Jahren gesetzlich rentenversichert ist und in dieser Zeit mindestens drei Jahre lang Beitr√§ge gezahlt hat. F√ľr Berufseinsteiger gelten Ausnahmen.
  • Anspruch auf Erwerbsminderungsrente besteht nur, wenn keinerlei Erwerbsarbeit mehr ausge√ľbt werden kann, auch nicht k√∂rperlich oder psychisch weniger belastende T√§tigkeiten als der derzeitige Beruf. Ob der Versicherte f√ľr diese Arbeiten qualifiziert ist, ob damit sein bisheriger Lebensstandard gehalten werden kann und ob es √ľberhaupt freie Stellen gibt, spielt keine Rolle.
  • Die H√∂he der Rente ergibt sich unter anderem aus den bislang gezahlten Beitr√§gen und sogenannten Zurechnungszeiten. Sie ist kann zu Beginn des Berufslebens trotz Zurechnungszeiten sehr gering sein. Wer weniger als sechs Stunden t√§glich arbeiten kann, erh√§lt eine halbe Erwerbsminderungsrente. Die volle Rente gibt es nur f√ľr diejenigen, die nicht einmal mehr drei Stunden arbeiten k√∂nnen.

Inhalt

Erwerbsminderungsrente bei unterschiedlichen Krankheiten

K√∂rperliche oder psychische Ursachen ‚Äď Erwerbs¬≠minderungs¬≠rente bei mehreren Krankheiten

Rund 1,8 Millionen Menschen beziehen in Deutschland eine Erwerbsminderungsrente, der weitaus √ľberwiegende Teil wegen voller Erwerbsminderung. Jedes Jahr werden etwa 350.000 neue Antr√§ge gestellt, von denen allerdings fast die H√§lfte abgelehnt werden. Die Gr√ľnde f√ľr diese hohe Zahl von Ablehnungen liegen in den strengen Voraussetzungen f√ľr die Feststellung einer verminderten Erwerbsf√§higkeit (siehe Erwerbsminderungsrente Voraussetzungen) und in der M√∂glichkeit des Versicherungstr√§gers, auf einen anderen Beruf zu verweisen.

Oft sind k√∂rperliche Einschr√§nkungen urs√§chlich f√ľr eine Erwerbsminderung. Psychische Ursachen wie Depressionen sind aber klar auf dem Vormarsch. Betrug ihr Anteil 1996 noch rund 20 %, so sind es heute √ľber 40 %. Niemand darf sich in Sicherheit wiegen, weil er einen scheinbar wenig belastenden Beruf im B√ľro aus√ľbt. Ein Grund f√ľr den hohen Anteil ist die zunehmende Arbeitsverdichtung. Hinzu kommt, dass bei einer psychischen Erkrankung ein Verweis auf einen anderen Beruf oft nicht m√∂glich ist.

Gesetzliche Grundlagen: so schwer ist es, Erwerbsminderungs­rente zu erhalten

Die seit 2001 g√ľltige Rechtslage wird meist so beschrieben, dass im neuen Gesetz die Anspr√ľche bei Berufsunf√§higkeit und Erwerbsunf√§higkeit zur neuen Erwerbsminderungsrente zusammengefasst wurden. Realistisch muss man aber feststellen: Die Sozialversicherung hat sich aus der Versicherung des Berufsunf√§higkeitsrisikos zur√ľckgezogen. Wer seinen Lebensstandard in dieser Situation halten will, kann dies nur mit einer privaten Berufsunf√§higkeitsversicherung. Lediglich Versicherte, die bis einschlie√ülich 1. Januar 1961 geboren wurden, haben noch einen Bestandsschutz, erhalten also auch bei Berufsunf√§higkeit Leistungen von der Rentenversicherung.

Auch nach 2001 √§nderte sich das Rentenrecht ‚Äď vor allem unter dem Handlungsdruck des demografischen Wandels ‚Äď in schneller Folge. Aus der schrittweisen Verschiebung der Regelaltersgrenze von 65 auf 67 Jahre ergeben sich einige wichtige Stichtage f√ľr den Bezug von Erwerbsminderungsrente und deren Auswirkungen auf die Altersrente. Zum Verst√§ndnis ist der Begriff der Zurechnungszeit wichtig. Darunter versteht man den Zeitraum zwischen dem Eintritt der Erwerbsminderung und dem Erreichen der Regelaltersgrenze f√ľr die normale Altersrente. Damit junge Erwerbsgeminderte keine zu gro√üe Versorgungsl√ľcke haben, werden sie so gestellt, als h√§tten sie weiterhin Beitr√§ge zu ihrer Rentenversicherung bezahlt, und zwar in der H√∂he wie vor der Erwerbsminderung. Eine Einkommensminderung in den letzten vier Jahren davor wirkt sich f√ľr Neurenten ab Juli 2014 nicht mehr aus. Zu ber√ľcksichtigen ist aber eine Reduzierung des sogenannten Zugangsfaktors um 0,003 (entspricht 0,3 % Rentenabschlag) pro Monat des vorzeitigen Rentenbeginns.

Bei einem Rentenbeginn bis zum 30. Juni 2014 endete die Zurechnungszeit bereits mit 60 Jahren.

Ab dem 1. Juli 2014 wurde sie entsprechend der Verschiebung der Regelaltersgrenze um zwei Jahre bis zum 62. Lebensjahr verlängert. Eine 2018 beschlossene stufenweise Verlängerung der Zurechnungszeit wurde durch den Regierungswechsel sehr schnell von einer weiteren Gesetzesänderung abgelöst. Damit ergibt sich insgesamt folgendes Bild:

Unterschied Erwerbs­minderung vs. Berufs­unfähigkeit

Erwerbsminderung:

Eine Erwerbsminderung ist gegeben, wenn Versicherte wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit au√üerstande sind, mindestens sechs Stunden t√§glich zu arbeiten. Abzustellen ist hierf√ľr nicht auf den Beruf des jeweiligen Versicherten, sondern auf den allgemeinen Arbeitsmarkt (¬ß 43 SGB VI).

Berufsunfähigkeit:

Im Gegensatz hierzu wird bei der Berufsunf√§higkeit auf den Beruf des Versicherten abgestellt und der Vergleich zwischen seiner Erwerbsf√§higkeit und der eines k√∂rperlich und geistig Gesunden mit √§hnlicher Ausbildung und gleichwertigen Kenntnissen und F√§higkeiten gezogen (¬ß 240 SGB VI). Er darf also nur auf eine zumutbare andere T√§tigkeit verwiesen werden. Die jeweilige Arbeitsmarktlage ist dabei aber nicht zu ber√ľcksichtigen. Es kommt also nicht darauf an, ob es in einem zumutbaren anderen Beruf √ľberhaupt freie Stellen gibt.

RentenbeginnZurechnungszeit
bis 30. Juni 2014bis zum 60. Lebensjahr
ab 1. Juli 2014bis zum 62. Lebensjahr
2018bis zum 62. Lebensjahr plus drei Monate
2019bis zum 65. Lebensjahr plus acht Monate
2020 bis 2027
Steigerung um einen Monat p.a. (von 65 Jahre plus neun Monate bis 66 Jahre plus vier Monate)
2028 bis 2031
Steigerung um jährlich zwei Monate, also von 66 Jahre plus sechs Monate bis 67 Jahre

Auffällig ist die Ungleichbehandlung der Rentner bis 2018 und ab 2019. Ob dies vor Gericht Bestand haben wird, ist noch offen.

Neben der Ver√§nderung der Zurechnungszeit gab es auch weitere Neuerungen im Detail, die f√ľr bestimmte Gruppen von Neurentnern durchaus bedeutsam sein k√∂nnen. 2018 startete die Angleichung des Rentenniveaus in den ‚Äěneuen‚Äú Bundesl√§ndern auf Westniveau. Zeitgleich wurde die Berechnung von Anrechnungszeiten f√ľr die Altersrente neu geregelt. Anrechnungszeiten sind Zeiten, in denen der Versicherte keine Beitr√§ge entrichtet hat, die aber dennoch als rentenrechtliche Zeiten ber√ľcksichtigt werden. Zeiten der Erwerbsminderung, in denen gleichzeitig Sozialleistungen bezogen werden, gelten seit 2018 nicht mehr als Anrechnungszeit.

Die versicherungsrechtlichen Bedingungen f√ľr eine Erwerbsminderungsrente

Grunds√§tzlich gilt f√ľr die Erwerbsminderungsrente ‚Äď wie auch f√ľr die Regelaltersrente ‚Äď eine allgemeine Wartezeit von f√ľnf Jahren (¬ß 50 SGB VI). Das bedeutet, dass der Antragsteller vor der Erwerbsminderung mindestens f√ľnf Jahre in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert gewesen sein muss. Diese Zeit braucht aber nicht unmittelbar vor der Erwerbsminderung zu liegen. Wer beispielsweise f√ľnf Jahre Arbeitnehmer und damit versicherungspflichtig war, sich sp√§ter selbstst√§ndig gemacht hat und dann erwerbsunf√§hig wird, hat trotzdem einen Anspruch. Besonderheiten zum Versorgungsausgleich und Rentensplitting nach einer Scheidung sowie bei Einkommen aus geringf√ľgiger Besch√§ftigung (‚ÄěMinijobs‚Äú) sind in ¬ß 52 SGB VI geregelt.

Eine weitere Voraussetzung ist, dass in diesen f√ľnf Jahren mindestens drei Jahre lang Pflichtbeitr√§ge bezahlt worden sind (¬ß 43 SGB VI). Wenn jemand unverschuldet keine Pflichtbeitr√§ge entrichtet hat, etwa wegen Arbeitsunf√§higkeit oder Schwangerschaft, bleiben diese Zeiten unber√ľcksichtigt. Allerdings gelten sie nicht einfach als bezahlt, sondern der Betrachtungszeitraum von f√ľnf Jahren verl√§ngert sich dadurch in die Vergangenheit, sodass die drei Beitragsjahre doch noch zusammenkommen k√∂nnen.

Wer schon vor dem 1. Januar 1984 die Wartezeit von f√ľnf Jahren erf√ľllt hat, kann auch ohne die Pflichtbeitr√§ge einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente haben. Statt der Pflichtbeitr√§ge werden sogenannte Anwartschaftserhaltungszeiten ber√ľcksichtigt. Das sind zum Beispiel freiwillige Beitr√§ge und Zeiten der Arbeitslosigkeit. Diese m√ľssen dann aber l√ľckenlos von Januar 1984 bis zum Eintritt der Erwerbsminderung vorhanden sein.

Erleichterung f√ľr Berufsanf√§nger

Ein Berufsanf√§nger hat keinerlei Chance, die geforderten Versicherungs- und Beitragszeiten zu erreichen. Gl√ľcklicherweise geht er nicht v√∂llig leer aus, auch wenn seine Rentenanspr√ľche nur gering sind. Es gibt n√§mlich Ausnahmeregelungen bez√ľglich der Zeiten, wenn auch unter strengen Voraussetzungen.

  • War der junge Mensch versicherungspflichtig und ist die Erwerbsminderung durch einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit verursacht, besteht auch ohne Wartezeit ein Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente.
  • Bestand keine Versicherungspflicht, aber in den letzten zwei Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung gab es mindestens zw√∂lf Monate lang Pflichtbeitragszeiten, reicht das ebenfalls. Hiermit ist insbesondere die Erwerbsminderung nach einem Freizeitunfall abgesichert.
  • Die dritte Ausnahme betrifft Versicherte, die innerhalb der letzten Jahre vor der Erwerbsminderung eine Ausbildung beendet haben. Auch sie k√∂nnen grunds√§tzlich eine Erwerbsminderungsrente bekommen, wenn in den letzten zwei Jahren f√ľr mindestens ein Jahr Pflichtbeitr√§ge gezahlt wurden.

Besonderheiten gelten zudem f√ľr Bergleute, Wehr- und Zivildienstleistende, Zeitsoldaten sowie f√ľr H√§ftlinge. Einzelheiten kann man im ¬ß 53 SGV VI nachlesen.

Volle oder teilweise Erwerbsminderungsrente

Wie bereits erw√§hnt, liegt Erwerbsminderung vor, wenn ein Mensch nur noch weniger als sechs Stunden arbeiten kann ‚Äď in seinem oder einem beliebigen anderen Beruf. Die Rentenversicherung pr√ľft das anhand einer Selbsteinsch√§tzung (Vordruck R0215) sowie der bereits vorliegenden Arztberichte. Sie holt gegebenenfalls weitere Gutachten ein. Dieser Weg kann f√ľr den Antragsteller sehr steinig werden. Wie schwer es ist, Erwerbsminderungsrente zu bekommen, zeigt die gro√üe Zahl abgelehnter Antr√§ge. Bef√ľrwortet der Gutachter Ihren Rentenantrag nicht, brauchen Sie fachkundige Hilfe (siehe Erwerbsminderungsrente beantragen). Mitglieder eines Vereins wie VdK oder Sozialverband Deutschland e. V. (SoVD) haben f√ľr einen geringen Monatsbeitrag Zugriff auf ein Netzwerk von Experten. Eine Rechtsschutzversicherung zahlt bei juristischen Auseinandersetzungen im Sozialrecht in der Regel erst, wenn es zu einem Prozess kommt. Umfassendere Versicherungen bieten Beratungsrechtsschutz bereits f√ľr das beh√∂rdliche Widerspruchsverfahren nach einem ablehnenden Bescheid.

Die Ursache f√ľr die Erwerbsminderung ist egal ‚Äď Unfall bei der Arbeit oder in der Freizeit, Krankheit, Kr√§fteverfall oder Behinderung sind gleicherma√üen versichert. Oft kommt die Erwerbsminderung durch Zusammentreffen mehrerer Krankheiten zustande.

Das seit 2001 geltende Recht unterscheidet zwischen einer vollen und einer teilweisen Erwerbsminderung. Aus der Definition, dieser Differenzierung und dem Bestandsschutz f√ľr Versicherte, die vor dem 2. Januar 1961 geboren sind, ergibt sich folgende Abstufung:

Geburtsdatumtägliche Arbeitsfähigkeit:
sechs Stunden oder mehr
tägliche Arbeitsfähigkeit:
weniger als sechs Stunden bis drei Stunden
tägliche Arbeitsfähigkeit:
weniger als drei Stunden
1. Januar 1961 oder fr√ľherhalbe Erwerbsminderungsrente, wenn der bisherige Beruf nicht oder nur f√ľr weniger als sechs Stunden t√§glich ausge√ľbt werden kannhalbe Erwerbsminderungsrente
volle Erwerbsminderungsrente
2. Januar 1961 oder späterkein Anspruchhalbe Erwerbsminderungsrentevolle Erwerbsminderungsrente

Trotz Bestandsschutz bei √§lteren Versicherten pr√ľft der Rentenversicherungstr√§ger, ob im Rahmen einer beruflichen Rehabilitation eine Ausbildung oder Umschulung f√ľr eine andere T√§tigkeit m√∂glich ist. Entspricht die angestrebte neue Arbeit dem Leistungsverm√∂gen, den F√§higkeiten und der sozialen Stellung, die sich aus dem bisherigen Berufsleben ergibt, ist der Verweis auf diesen Beruf zul√§ssig ‚Äď der Rentenanspruch entf√§llt. Ob es tats√§chlich freie Stellen gibt und eine Umschulung somit erfolgversprechend ist, spielt f√ľr den Verweis keine Rolle.

Ein √§hnliches Problem ergibt sich f√ľr die Versicherten ab Jahrgang 1961, die nicht mehr in Vollzeit arbeiten k√∂nnen. Was passiert, wenn es keine Teilzeit-Arbeitspl√§tze gibt? Hier sind zwei F√§lle zu unterscheiden:

Wer noch mindestens sechs Stunden arbeiten kann, gilt nicht als erwerbsgemindert. Er kann keine Rente bekommen, auch dann nicht, wenn er keine Teilzeitstelle im zumutbaren Umfang findet.

Wesentlich vorteilhafter ist die Regelung f√ľr diejenigen, die als teilweise erwerbsgemindert gelten, also noch mindestens drei Stunden am Tag arbeiten k√∂nnen. Gibt der Arbeitsmarkt keine Stellen f√ľr Teilzeitkr√§fte zwischen drei und unter sechs Stunden Arbeitszeit her, wird die volle Erwerbsminderungsrente gezahlt. Es ist also nicht n√∂tig, eine halbe Erwerbsminderungsrente mit Arbeitslosengeld zu kombinieren.

Reha vor Rente

Die Rentenversicherung finanziert aus den Beitragseinnahmen nicht nur Renten. Priorit√§t hat stets die Wiedereingliederung in das Berufsleben, was in aller Regel auch im Interesse des Versicherten sein d√ľrfte. Beruf ist mehr als nur Geldverdienen. F√ľr viele Menschen bedeutet die Arbeit soziale Kontakte und Anerkennung. Deshalb ‚Äď und auch, weil es in der Summe die g√ľnstigere Variante ist ‚Äď leistet die Rentenversicherung nach dem Grundsatz Reha vor Rente. Es wird also gepr√ľft, ob mit medizinischen oder beruflichen Ma√ünahmen ein Neustart m√∂glich ist. Die Rentenversicherung zahlt f√ľr die Rehabilitation. Ist der Versicherte danach wieder in der Lage, selbst f√ľr seinen Lebensunterhalt zu sorgen, ist es eine Win-Win-Situation.

Erst wenn die Rehabilitation ganz oder teilweise fehlschl√§gt bzw. von vornherein aussichtslos erscheint, besch√§ftigt sich die Sozialversicherung mit der verbliebenen Arbeitskraft, entscheidet √ľber teilweise oder volle Erwerbsminderung und leistet die entsprechende Rente.

Die Rentenversicherung kommt f√ľr eine Reha bei bestimmten Erkrankungen sogar f√ľr Kinder und Jugendliche auf, die selbst gar nicht versichert und noch weit von der Rente entfernt sind. Voraussetzung ist, dass die Eltern bzw. Pflegeeltern oder andere Verwandte, in deren Haushalt das Kind wohnt, in den letzten zwei Jahren mindestens sechs Monate Pflichtbeitr√§ge gezahlt haben. Hier geht es aber nicht um kurzfristige, akute Erkrankungen, sondern um gesundheitliche Probleme wie Asthma, Krebs, starkes √úbergewicht oder Verhaltensst√∂rungen, die sp√§ter in einer Erwerbsminderung enden k√∂nnten.

Erwerbsminderungsrente auf Zeit oder unbefristet

Die Anerkennung einer Erwerbsminderungsrente erfolgt fr√ľhestens sieben Monate nach dem ausl√∂senden Ereignis, also der Krankheit oder dem Unfall. Das liegt daran, dass √ľblicherweise zun√§chst f√ľr sechs Wochen eine Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers besteht und im Anschluss daran Krankengeld bis zu 78 Wochen lang bezogen werden kann. Nichtsdestotrotz sollte bei absehbar dauerhafter Erwerbsminderung der Antrag so fr√ľh wie m√∂glich gestellt werden. Rente wird n√§mlich fr√ľhestens ab dem Monat der Antragstellung gezahlt, gegebenenfalls r√ľckwirkend. Au√üerdem gibt es Situationen, in denen die Erwerbsminderungsrente bereits fr√ľher beginnt. Das ist der Fall, wenn dadurch ein Anspruch auf Arbeitslosengeld, Krankengeld oder Krankentagegeld endet. Mit einem rechtzeitigen Antrag entstehen keine Versorgungsl√ľcken. Die Deutsche Rentenversicherung hat auf ihren Internetseiten ein praktisches Antragspaket mit allen ben√∂tigten Formularen zusammengestellt.

Die Erwerbsminderungsrente ist zun√§chst meist eine Rente auf Zeit. In den ersten neun Jahren wird sie √ľblicherweise nur f√ľr l√§ngstens drei Jahre zugesagt und danach gegebenenfalls verl√§ngert. Die konkrete Befristung ist vom individuellen Krankheitsbild abh√§ngig. Die Anspruchsberechtigung kann auch in der Zeit des Rentenbezugs √ľberpr√ľft werden. Sobald keine volle oder teilweise Erwerbsminderung mehr gegeben ist, wird die Rente gestoppt. Dar√ľber erteilt der Rentenversicherer einen Bescheid, zu dem der Rentenempf√§nger Stellung nehmen bzw. Widerspruch einlegen kann.

Eine befristete Rente endet zum genannten Zeitpunkt, ohne dass Sie dar√ľber einen neuen Bescheid bekommen. Hat sich Ihr Gesundheitszustand bis zum Ende der Befristung nicht gebessert, sollten Sie sp√§testens vier Monate vor Ende der Befristung einen Antrag auf Weiterzahlung stellen. Erst nach in der Regel dreimal drei Jahren befristeter Erwerbsminderungsrente kommt eine unbefristete Gew√§hrung in Betracht.

Ein dauerhafter Umzug ins Ausland kann Einfluss auf die Zahlung der Erwerbsminderungsrente haben.

  • Oben wurde auf die M√∂glichkeit hingewiesen, bei teilweiser Erwerbsminderung und verschlossenem Arbeitsmarkt trotzdem die volle Rente zu bekommen. Dies gilt aber bei Wohnsitz im Ausland nur f√ľr bestimmte Staaten, n√§mlich innerhalb des Europ√§ischen Wirtschaftsraums (EU-Mitglieder, zus√§tzlich Island, Liechtenstein, Norwegen), in der Schweiz und einigen weiteren L√§ndern, mit den Sozialversicherungsabkommen bestehen. Das sind derzeit Bosnien-Herzegowina, Israel, Kosovo, Marokko, Montenegro, Serbien und Tunesien. Die Situation in Gro√übritannien ist aufgrund des Brexits noch nicht geregelt.
  • Ergibt sich die Rentenh√∂he auch aus Versicherungszeiten im Ausland, kann ein Umzug in ein Land au√üerhalb der EU zu einer Neuberechnung und K√ľrzung der Rente f√ľhren. Einzelheiten sind im Fremdrentengesetz

Die Erwerbsminderungsrente wird zwar laut Gesetz (§ 102 SGB VI) bis zum Ende des Kalendermonats gezahlt, in dem der Rentenempfänger gestorben ist. Dennoch ist sie keine Rente auf Lebenszeit. Erlebt der Berechtigte den Beginn des regulären Rentenalters, wandelt sie sich automatisch in eine Altersrente um. Das muss man nicht besonders beantragen.

Erwerbsminderung und Schwerbehinderung

Nicht jede Erwerbsminderung ist zugleich eine Schwerbehinderung. Dennoch kann es sich in einem entsprechenden Alter lohnen, eine Erwerbsminderungsrente in eine Schwerbehindertenrente umzuwandeln. Schwerbehinderte k√∂nnen zwei Jahre fr√ľher eine abschlagsfreie Altersrente beziehen. Pr√ľfen Sie zun√§chst die Voraussetzungen f√ľr eine Schwerbehindertenrente (¬ß 2 SGB IX, ¬ß 37 SGB VI):

  • Es muss ein Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 vorliegen.
  • Die Wartezeit f√ľr langj√§hrig Versicherte von 35 Jahren muss erf√ľllt sein.

Die Umwandlung der Erwerbsminderungsrente sollte aber nur nach einer ausf√ľhrlichen Beratung durch den Rentenversicherungstr√§ger erfolgen. Es gibt eine Reihe von Stichtagen und Sonderregelungen zu beachten. Deshalb ist nicht von vornherein klar, dass die Schwerbehindertenrente h√∂her ist als die Erwerbsminderungsrente. Au√üerdem gibt es auch hier bei einer noch fr√ľheren Inanspruchnahme Abschl√§ge von 0,3 % pro Monat bis maximal 10,8 % f√ľr 36 Monate.

Höhe der Erwerbsminderungsrente

Die letzten √∂ffentlich verf√ľgbaren Zahlen sind zwar schon einige Jahre alt, der seinerzeit ausgewiesene Durchschnittswert von 672 Euro f√ľr eine Erwerbsminderungsrente d√ľrfte aber auch heute noch in etwa stimmen. Zwar sind darin auch die halben Renten bei teilweiser Erwerbsminderung enthalten, aber sie machen nur einen kleinen Anteil aus. Der entsprechende Betrag f√ľr Vollrentner ist deshalb mit 711 Euro nur unwesentlich h√∂her. Der durchschnittliche Erwerbsminderungsrentner erh√§lt damit zwar deutlich mehr als die Grundsicherung (Hartz IV), aber f√ľr ein gutes Leben mit sozialer Teilhabe reicht das Geld nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass kranke Menschen oft f√ľr erh√∂hte Bed√ľrfnisse wie Medikamente und medizinische Anwendungen extra zahlen m√ľssen.

Warum sind die Erwerbsminderungsrenten so gering, etwa im Vergleich zur Altersrente? Das liegt daran, dass sich die Rente haupts√§chlich nach den bislang in der Rentenversicherung gesammelten Entgeltpunkten bemisst. F√ľr jedes Kalenderjahr, in dem ein Versicherter Beitr√§ge entsprechend des Durchschnittsverdienstes in die Rentenversicherung eingezahlt wurden, erh√§lt er einen vollen Entgeltpunkt. Verdient er mehr oder weniger, gibt es anteilm√§√üig mehr oder weniger Entgeltpunkte. Die Rentenh√∂he folgt damit aber nicht nur dem Einkommen im Verh√§ltnis zum durchschnittlichen Verdienst aller Arbeitnehmer, sondern auch der bislang zur√ľckgelegten Versicherungsdauer. Weil dar√ľber hinaus auch noch die Zurechnungszeiten Ber√ľcksichtigung finden, wird auch f√ľr junge Versicherte eine gewisse Mindestversorgung sichergestellt. Die volle Erwerbsminderungsrente entspricht nach einer Faustregel einem halben Nettogehalt (die halbe Rente bei teilweiser Erwerbsminderung also einem Viertel). Versicherte mit hohem Gehalt m√ľssen ber√ľcksichtigen, dass f√ľr die Rentenbeitr√§ge und damit auch f√ľr die Rentenberechnung maximal das Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze zugrunde gelegt wird. F√ľr 2020 sind das monatlich 6.900 Euro (West) bzw. 6.450 Euro (Ost).

Die T√ľcken der Rentenformel zeigen, dass trotz der oben erl√§uterten Erleichterungen vor allem f√ľr Berufsanf√§nger bei den Wartezeiten die dringende Notwendigkeit einer privaten Vorsorge durch eine Berufsunf√§higkeitsversicherung (BU-Versicherung) ergibt. Generell bedeutet die soziale Absicherung des Erwerbsminderungsrisikos keinen Erhalt des gewohnten Lebensstandards. Speziell bei einer Erwerbsminderung in jungen Jahren kommt eine oft unzureichende Rentenh√∂he als wichtiges Argument hinzu. Eine Leistung aus der privaten BU-Versicherung gilt nicht als Einkommen, wird also auch nicht auf die Erwerbsminderungsrente angerechnet.

Erwerbsminderungs­rente in der Steuererklärung

Trotz der oft geringen H√∂he kann die Erwerbsminderungsrente steuerpflichtig sein. Verschweigen darf und kann man sie dem Finanzamt nicht, denn die Rentenversicherung ist verpflichtet, dem Finanzamt eine Rentenbezugsmitteilung zu machen. Es kann sein, dass Sie deswegen eine Aufforderung zur Steuererkl√§rung erhalten. Steuerfrei sind j√§hrliche Eink√ľnfte bis zum Grundfreibetrag (9.408 Euro im Jahr 2020, Erh√∂hung auf 9.744 Euro in 2021 und 9.984 Euro in 2022 geplant). Das hei√üt aber nicht, dass jede Rente √ľber 784 Euro (9.408 Euro geteilt durch zw√∂lf Monate) steuerpflichtig w√§re. Es gibt einen sogenannten Rentenfreibetrag, der sich nach dem Jahr des Rentenbeginns richtet. Wer 2004 schon Rente bezogen hat, erh√§lt die H√§lfte der Jahresbruttorente des Jahres 2005 als Freibetrag. Diese Summe bleibt f√ľr die Zukunft immer gleich, √§ndert sich also nicht mit Rentenanpassungen. Steigt die Rente schneller als der Grundfreibetrag, k√∂nnen Rentner, die heute keine Steuern zahlen, sp√§ter dennoch steuerpflichtig werden.

Erwerbsminderungs­rente und Sozialabgaben

Neben Steuern m√ľssen Erwerbsminderungsrentner auch einen Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung zahlen. Die Rentenversicherung gibt dazu einen Zuschuss, sodass in der Regel 7,3 % plus halbem Zusatzbeitrag der jeweiligen Kasse gezahlt werden m√ľssen. Andere Sozialabgaben fallen nicht an. Wer vor Eintritt der Erwerbsminderung privat versichert war, muss diese Versicherung in aller Regel behalten. Nur wenn f√ľr 90 % der zweiten H√§lfte des Berufslebens bis zum Rentenantrag eine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Versicherung bestand, ist eine R√ľckkehr dorthin m√∂glich.

Erwerbsminderungs¬≠rente und Nebenjob ‚Äď geht das?

Die oben genannten Zahlen zur H√∂he der Erwerbsminderungsrente sind Durchschnittswerte. Viele Rentner bekommen also deutlich weniger. Reicht die Rente nicht, sollten Sie zus√§tzlich Grundsicherung (Hartz IV bzw. Arbeitslosengeld II) beantragen. Selbst wenn die Rente den Hartz-IV-Satz erreicht, sind zus√§tzliche Leistungen f√ľr Miete plus Nebenkosten (einschlie√ülich Heizung) m√∂glich. Das Bundessozialgericht hat 2018 entschieden, dass Bezieher einer Erwerbsminderungsrente auch dann Anspruch auf Hartz IV haben k√∂nnen, wenn sie mit einem Arbeitslosen in einem Haushalt leben und somit eine Bedarfsgemeinschaft bilden (Urteil vom 28. November 2018, Aktenzeichen B 4 AS 46/17 R).

Reicht die Erwerbsminderungsrente trotz Sozialleistungen nicht, wird mancher Rentner √ľber einen zus√§tzlichen Verdienst nachdenken. Aber passen Erwerbsminderung bzw. Erwerbsunf√§higkeit und Arbeitseinkommen √ľberhaupt zusammen? Dazu m√ľssen wir noch einmal auf die Definitionen zur√ľckblicken: Teilrente gibt es, wenn ein t√§gliches Arbeitspensum von sechs Stunden nicht mehr m√∂glich ist, die volle Rente bei einer Arbeitsf√§higkeit von weniger als drei Stunden. Damit bleibt ein Spielraum f√ľr einen (Neben-)Job von unter sechs Stunden f√ľr Teilrentner und unter drei Stunden bei voller Rente.

Elterngeld kann man auch bei Bezug einer Erwerbs¬≠minderungs¬≠rente bekommen. Allerdings z√§hlt die Rente nicht zum Erwerbs¬≠einkommen und wird deshalb bei der Berechnung des Elterngeldes auch nicht ber√ľcksichtigt. Deshalb wird es in der Regel nur den Sockelbetrag von 300 Euro geben. Umgekehrt wird das Elterngeld aber auch nicht auf die Rente angerechnet, f√ľhrt also nicht zu einer K√ľrzung.

Hinzuverdienst bei voller Erwerbsminderung

Dem Gesetzgeber ist klar, dass die Erwerbsminderungsrente in vielen F√§llen nicht zum Leben reicht. Deshalb erlaubt er bei voller Erwerbsminderung ausdr√ľcklich (¬ß 96a SGB VI) ein zus√§tzliches Einkommen von 6.300 Euro im Jahr, ohne dass es deswegen zu Rentenk√ľrzungen k√§me. Das tats√§chlich erzielte Einkommen wird jeweils zum 1. Juli f√ľr das vorangegangene Jahr festgestellt und f√ľr das laufende Jahr gesch√§tzt. Ist das Einkommen h√∂her, werden 40 % des √ľbersteigenden Betrags von der Rente abgezogen.

Beispiel: Ein Versicherter bezieht 1.000 Euro monatliche Rente wegen voller Erwerbsminderung. Zus√§tzlich verdient er 9.000 Euro im Jahr. Das sind im Jahr 2.700 Euro mehr als der Freibetrag, im Monat also 225 Euro. Davon werden 40 % auf die Rente angerechnet, also 90 Euro. Ausgezahlt werden 910 Euro abz√ľglich Krankenversicherung.

In einem zweiten Schritt wird √ľberpr√ľft, ob die Summe aus Rente und Arbeitseinkommen den sogenannten Hinzuverdienstdeckel nicht √ľberschreitet. Er orientiert sich im Wesentlichen am h√∂chsten Einkommen der letzten 15 Jahre vor der Erwerbsminderung und entspricht mindestens der vollen Rente plus 525 Euro im Monat.

Hinzuverdienst bei teilweiser Erwerbsminderung

Hier wird eine individuelle Berechnung angestellt (siehe Erwerbsminderungsrente berechnen), die wie beim Hinzuverdienstdeckel auf dem Einkommen der letzten 15 Jahre basiert. Im Zweifel hilft ein Rentenberater, die pers√∂nliche Grenze zu ermitteln. F√ľr denjenigen, der kein Einkommen oder nur einen Minijob hatte, gilt eine Mindesthinzuverdienstgrenze von 15.479,10 Euro j√§hrlich (Stand 2020). √úbersteigende Betr√§ge werden wie oben zu 40 % ber√ľcksichtigt. Diese 40 % gelten zwar stufenlos ab dem ersten Euro, dennoch bleibt auf jeden Fall in der Summe aus Rente und Einkommen mehr √ľbrig als ohne den Job.

Neben diesen Grundregeln gibt es noch einige Besonderheiten, zum Beispiel bei Erwerbsminderungsrenten, die schon vor dem 1. Juli 2017 gezahlt wurden, sowie f√ľr das Zusammentreffen einer Erwerbsminderungsrente mit einer Rente aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Pflegegeld, das Sie f√ľr die Pflege von Angeh√∂rigen erhalten, wird nicht als Nebeneinkommen angerechnet, und auch Eink√ľnfte aus Behindertenwerkst√§tten oder Integrationsprojekten d√ľrfen Sie ungek√ľrzt behalten.

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