Ratgeber

MS und Berufsunfähigkeit: Zahlt die BU?

MS und Berufsunfähigkeit: Zahlt die BU?
Krankheitsbild
chronische Erkrankung des Nervensystems
BU-Risiko
über die Hälfte vor Rente
Neuabschluss
nach Diagnose sehr schwer

Das Wichtigste in Kürze

  • Multiple Sklerose kann berufsunfähig machen. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt, wenn du deinen Beruf voraussichtlich sechs Monate zu unter 50 Prozent ausüben kannst und die Einschränkung belegt ist.
  • MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Mehr als die Hälfte der Betroffenen wird vor dem 65. Lebensjahr berufsunfähig.
  • Nach der MS-Diagnose ist der Neuabschluss einer BU sehr schwer bis unmöglich. Deshalb ist ein früher Abschluss entscheidend.
  • Im Leistungsfall zählt nicht die Diagnose, sondern die konkrete Einschränkung deines Berufs.

Die Diagnose Multiple Sklerose verändert vieles, und sie wirft schnell die Frage nach der finanziellen Absicherung auf. Für Betroffene ist wichtig zu wissen, ob MS berufsunfähig macht und ob die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt. Hier erfährst du, was hinter der Erkrankung steckt, wie hoch das BU-Risiko ist, wann die BU leistet und wie du dich mit oder vor MS absicherst.

Noch keine BU? Bei MS entscheidet der Zeitpunkt. Vor der Diagnose ist der Abschluss meist normal möglich, danach wird es sehr schwer. Eine anonyme Risikovoranfrage zeigt deine Chancen.

Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose, kurz MS, ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Dabei greift das Immunsystem die schützende Hülle der Nervenfasern an, wodurch die Weiterleitung von Signalen gestört wird. In Deutschland sind mehr als 280.000 Menschen betroffen, jedes Jahr kommen rund 15.000 Neuerkrankungen hinzu. MS gilt als die häufigste neurologische Erkrankung, die bei jungen Erwachsenen zu einer dauerhaften Behinderung führen kann.

Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Die typischen Symptome sind sehr unterschiedlich: Sie reichen vom gestörten Sehen über Taubheitsgefühle und Muskelschwäche bis zu Gleichgewichts- und Konzentrationsstörungen sowie einer ausgeprägten Erschöpfung, der Fatigue. Die Erkrankung Multiple Sklerose verläuft oft in sogenannten Schüben und ist bisher nicht heilbar, lässt sich mit modernen Therapien aber häufig verlangsamen. Wie stark die Erkrankung den Beruf einschränkt, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden.

Wie hoch ist das Berufsunfähigkeitsrisiko bei MS?

MS gehört zu den Erkrankungen mit einem besonders hohen Risiko für Berufsunfähigkeit. Mehr als die Hälfte der Betroffenen wird im Laufe des Lebens vor dem regulären Rentenalter berufsunfähig. Das liegt am schubförmigen Verlauf und daran, dass die Beschwerden über die Jahre zunehmen können.

Gerade weil das Risiko so hoch ist, ist eine private Absicherung für Menschen mit Multipler Sklerose oder mit MS in der Familie ein wichtiges Thema. Fällt das Einkommen aufgrund der Krankheit weg, drohen erhebliche finanzielle Belastungen, die eine BU-Rente auffängt. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt dir eine vereinbarte monatliche BU-Rente, sobald du deinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich mindestens sechs Monate zu weniger als 50 Prozent ausüben kannst.

Wann macht MS berufsunfähig?

Ob MS berufsunfähig macht, hängt vom Verlauf, vom Schweregrad und von deinem Beruf ab. In frühen Stadien und in beschwerdefreien Phasen können viele Betroffene normal weiterarbeiten. Schreiten die Beschwerden voran, etwa mit Gehstörungen, starker Erschöpfung oder Konzentrationsproblemen, wird die Ausübung vieler Berufe unmöglich.

Berufsunfähigkeit im Sinne der Versicherung liegt vor, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich mindestens sechs Monate zu unter 50 Prozent ausüben kannst. Ob ein Bürojob oder eine körperliche Tätigkeit betroffen ist, macht dabei einen großen Unterschied, denn die Anforderungen an dich sind unterschiedlich.

Zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung bei MS?

Grundsätzlich zahlt jede Berufsunfähigkeitsversicherung auch bei Multipler Sklerose, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Wichtig ist: Für den Leistungsfall zählt nicht die Diagnose MS an sich, sondern die konkrete Auswirkung auf deinen zuletzt ausgeübten Beruf. Nur weil MS diagnostiziert ist, giltst du nicht automatisch als berufsunfähig, und umgekehrt kann eine fortgeschrittene MS die 50-Prozent-Schwelle klar überschreiten.

Sammle deshalb alle neurologischen Befunde, Berichte über Schübe und Nachweise über deine Behandlung. Je besser der Zusammenhang zwischen deiner MS und deiner konkreten Tätigkeit belegt ist, desto reibungsloser läuft der Leistungsantrag. Ein ärztliches Gutachten spielt dabei oft eine zentrale Rolle.

BU mit MS abschließen: der Zeitpunkt entscheidet

Der wichtigste Punkt zuerst: Nach einer MS-Diagnose ist der Abschluss einer klassischen Berufsunfähigkeitsversicherung extrem schwierig bis unmöglich. Die meisten Versicherer lehnen ab, weil das Risiko als zu hoch gilt. Deshalb ist es so entscheidend, die BU abzuschließen, bevor eine MS diagnostiziert oder überhaupt abgeklärt wird. Wer früh abschließt, sichert sich zudem dauerhaft niedrige Beiträge, denn junge und gesunde Versicherte zahlen weniger. Wer erst später abschließen will und bereits an Multipler Sklerose erkrankt ist, hat kaum noch eine Chance auf einen regulären Vertrag.

Hast du bereits erste Beschwerden abklären lassen, beantworte die Gesundheitsfragen trotzdem immer vollständig und wahrheitsgemäß. Verschweigst du eine MS oder eine laufende Abklärung, kann der Versicherer im Leistungsfall vom Vertrag zurücktreten und die Zahlung verweigern (vorvertragliche Anzeigepflicht nach Paragraf 19 des Versicherungsvertragsgesetzes). Der sichere Weg ist eine anonyme Risikovoranfrage, bei der eine mögliche Ablehnung nicht aktenkundig wird.

Ist der reguläre Schutz nicht möglich, gibt es Alternativen. Manche Anbieter versichern chronisch Kranke nach einer mehrjährigen Wartezeit. Auch eine Grundfähigkeitsversicherung oder eine Absicherung ohne umfangreiche Gesundheitsfragen kann je nach Situation ein Weg sein. Diese Lösungen ersetzen die klassische BU nicht vollständig, sind aber besser als gar kein Schutz.

Anspruch auf die BU-Rente durchsetzen

Hast du deine Police vor der Diagnose abgeschlossen, hast du im Leistungsfall Anspruch auf die BU-Rente. Du musst belegen, dass die MS deine berufliche Leistungsfähigkeit erheblich und voraussichtlich über sechs Monate einschränkt. Gerade bei schubförmigen Verläufen argumentieren Versicherer im Fall der Berufsunfähigkeit manchmal mit beschwerdefreien Phasen und lehnen den Antrag zunächst ab. Lehnt der Versicherer ab oder verzögert die Zahlung, ist das nicht das letzte Wort. Welche Rechte du dann hast, liest du unter BU zahlt nicht.

Hinweis: Dieser Ratgeber ist keine medizinische Beratung und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Es geht um die versicherungsrechtliche Seite: wann die Berufsunfähigkeitsversicherung bei MS leistet und wie du dich absicherst.

Fazit: Multiple Sklerose und Berufsunfähigkeit

MS ist eine Erkrankung mit hohem Risiko für Berufsunfähigkeit, denn über die Hälfte der Betroffenen wird vor der Rente berufsunfähig. Ob die BU zahlt, entscheidet nicht die Diagnose allein, sondern die konkrete Einschränkung deiner Arbeit über mindestens sechs Monate. Weil der Neuabschluss nach der Diagnose kaum möglich ist, ist der frühe Schutz entscheidend. Wer bereits betroffen ist, prüft mit einer anonymen Risikovoranfrage die verbleibenden Optionen.

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Häufige Fragen

Zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung bei MS?
Ja, wenn die MS dich voraussichtlich sechs Monate zu mindestens 50 Prozent an deinem Beruf hindert und das belegt ist. Entscheidend ist nicht die Diagnose, sondern die konkrete Einschränkung deines Berufs.
Bekomme ich mit MS noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
Nach der Diagnose ist der Abschluss sehr schwer bis unmöglich. Manche Anbieter versichern nach einer mehrjährigen Wartezeit. Eine anonyme Risikovoranfrage und Alternativen wie die Grundfähigkeitsversicherung zeigen deine Optionen.
Wie hoch ist das BU-Risiko bei MS?
Sehr hoch. Mehr als die Hälfte der MS-Betroffenen wird vor dem regulären Rentenalter berufsunfähig. Deshalb ist ein früher Abschluss vor der Diagnose so wichtig.

Quelle: Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Deutsche Rentenversicherung

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