Das Wichtigste in Kürze
- Rheuma kann berufsunfähig machen, vor allem bei schweren, entzündlichen Verläufen mit Gelenkbeschwerden und Erschöpfung. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt, wenn du deinen Beruf voraussichtlich sechs Monate zu unter 50 Prozent ausüben kannst.
- Rheuma ist ein Sammelbegriff für über hundert rheumatische Erkrankungen. Die häufigste entzündliche Form ist die rheumatoide Arthritis.
- Mit einer Rheuma-Diagnose ist der Neuabschluss einer BU schwierig. Oft gibt es nur einen Vertrag mit Risikozuschlag, einen Ausschluss oder eine Ablehnung.
- Kläre deine Chancen mit einer anonymen Risikovoranfrage und prüfe Alternativen wie die Grundfähigkeitsversicherung.
Rheuma trifft längst nicht nur ältere Menschen und kann die Arbeitskraft dauerhaft bedrohen. Für Betroffene stellt sich die Frage, ob Rheuma berufsunfähig macht und ob die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt. Hier erfährst du, was hinter der Erkrankung steckt, wann die BU leistet und wie du dich mit einer rheumatischen Erkrankung überhaupt noch absichern kannst.
Was ist Rheuma?
Rheuma ist kein einheitliches Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für mehr als hundert verschiedene rheumatische Erkrankungen. Die meisten betreffen den Bewegungsapparat, also Gelenke, Muskeln, Sehnen und Knochen. Die bekannteste entzündliche Form ist die rheumatoide Arthritis, bei der das Immunsystem die eigenen Gelenke angreift.
Typische Symptome sind chronische Schmerzen und Bewegungseinschränkungen: eine Entzündung der Gelenke führt zu schmerzenden, geschwollenen und steifen Gelenken, vor allem morgens, dazu Kraftverlust und eine ausgeprägte Erschöpfung, die Fatigue. Diese Beschwerden treffen Versicherte in körperlich belastenden Berufen besonders hart. Rheuma verläuft oft in Schüben und ist bisher nicht heilbar, lässt sich mit modernen Medikamenten aber häufig gut behandeln. Wie stark die Erkrankung den Alltag und den Beruf einschränkt, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.
Wann macht Rheuma berufsunfähig?
Ob Rheuma berufsunfähig macht, hängt vom Schweregrad und von deinem Beruf ab. In beschwerdefreien Phasen können viele Betroffene weiterarbeiten. Bei schweren Schüben sind geschwollene Gelenke, starke Schmerzen und die chronische Erschöpfung jedoch mit vielen Tätigkeiten kaum vereinbar. Besonders betroffen sind körperlich belastende Berufe, in denen Hände, Arme oder der Rücken ständig gebraucht werden, etwa im Handwerk oder in der Pflege. Kann die berufliche Tätigkeit aufgrund der Erkrankung nur noch eingeschränkt ausgeübt werden, drohen erhebliche finanzielle Einbußen.
Berufsunfähigkeit im Sinne der Versicherung liegt vor, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich mindestens sechs Monate zu unter 50 Prozent ausüben kannst. Bei einem milden, gut eingestellten Verlauf ist diese Schwelle selten erreicht. Eine schwere, aktive rheumatoide Arthritis mit häufigen Schüben kann dagegen sehr wohl zur Berufsunfähigkeit führen.
Zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung bei Rheuma?
Grundsätzlich zahlt jede Berufsunfähigkeitsversicherung auch bei Rheuma, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Weil rheumatische Erkrankungen schubweise verlaufen, kommt es entscheidend auf die Dokumentation an. Der Versicherer will nachvollziehen können, wie häufig und wie schwer deine Schübe sind und wie stark sie deine berufliche Leistungsfähigkeit einschränken.
Sammle deshalb alle Befunde, Laborwerte, Röntgenbilder und Nachweise über deine Behandlung. Je besser der Zusammenhang zwischen deiner rheumatischen Erkrankung und deiner konkreten Tätigkeit belegt ist, desto reibungsloser läuft der Leistungsantrag. Dass Gerichte immer wieder Versicherer zur Zahlung der BU-Rente wegen Rheuma verurteilen, zeigt: Ein gut dokumentierter Anspruch auf die Leistungen der Berufsunfähigkeitsversicherung lohnt sich, auch wenn der Versicherer zunächst ablehnt. Bei chronischen Erkrankungen wie Rheuma kommt es auf die individuelle Einschätzung deines Falls an.
BU mit Rheuma abschließen: das ist zu beachten
Schwierig wird es, wenn du dich erst nach der Diagnose Rheuma absichern willst. Als chronische Vorerkrankung wird eine rheumatische Erkrankung von Versicherern kritisch bewertet. Je nach Form, Schweregrad und Behandlung sind ein Risikozuschlag, ein Ausschluss für Erkrankungen des Bewegungsapparats oder eine Ablehnung möglich. Bei einem Ausschluss zahlt die Versicherung später nicht, wenn die Berufsunfähigkeit gerade auf das Rheuma zurückgeht.
Beantworte die Gesundheitsfragen trotzdem immer vollständig und wahrheitsgemäß. Verschweigst du die Erkrankung, kann der Versicherer im Leistungsfall vom Vertrag zurücktreten (vorvertragliche Anzeigepflicht). Der sicherste Weg ist eine anonyme Risikovoranfrage. Dabei prüfen mehrere Versicherer deinen Fall, ohne dass eine mögliche Ablehnung aktenkundig wird und dir bei anderen Anbietern schadet.
Klappt der reguläre Schutz nicht, gibt es Alternativen. Eine Grundfähigkeitsversicherung stellt geringere Gesundheitsanforderungen und sichert den Verlust grundlegender Fähigkeiten wie Greifen oder Gehen ab. Auch eine Absicherung ohne umfangreiche Gesundheitsfragen kann je nach Situation ein Weg sein. Diese Lösungen ersetzen die klassische BU nicht vollständig, sind aber besser als gar kein Schutz.
Anspruch auf die BU-Rente durchsetzen
Hast du bereits eine Police, kommt es im Leistungsfall auf gute Unterlagen an. Für den Anspruch auf die BU-Rente musst du belegen, dass Rheuma deine berufliche Leistungsfähigkeit erheblich und voraussichtlich über sechs Monate einschränkt. Gerade bei schubweisen Erkrankungen argumentieren Versicherer manchmal mit den beschwerdefreien Phasen. Lehnt der Versicherer ab, ist das nicht das letzte Wort. Insbesondere können dir spezialisierte Anwälte oder ein Fachanwalt für Versicherungsrecht helfen, deinen Anspruch durchzusetzen. Welche Rechte du dann hast, liest du unter BU zahlt nicht.
Fazit: Rheuma und Berufsunfähigkeit
Rheuma kann bei schweren, aktiven Verläufen zur Berufsunfähigkeit führen, während viele Betroffene in ruhigen Phasen weiterarbeiten. Ob die BU zahlt, entscheidet nicht die Diagnose allein, sondern die konkrete Einschränkung deiner Arbeit über mindestens sechs Monate. Eine frühzeitige Vorsorge ist deshalb entscheidend: Wer noch gesund ist, sichert sich früh ab, denn nach der Diagnose wird es deutlich schwerer. Mit bestehender Erkrankung sind eine anonyme Risikovoranfrage und der Blick auf Alternativen der beste Weg.
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